Nachlese Fachtagung Ornithologie 2009
Rodenbach, 7./ 8. März 2009
Bei strahlendem Sonnenschein kamen über 70 Interessierte zu den Exkursionen am Samstag. Morgens führte Martin Schroth die Teilnehmer durch das FFH-Gebiet „Bulau“.
Dieser Auwald beherbergt viele seltene Tier- und Pflanzenarten und an vielen Ecken ließen sich auch schon die ersten
Frühlingsboten blicken.
Nach dem Mittagessen ging es weiter zu den „Burgherren“ im Spessart. Durch eine Initiative der HGON wurden hier 1987/88 der
Biber wieder in Hessen angesiedelt. Frau Schultheis, Biberbetreuerin der ersten Stunde, zeigte den Exkursionsteilnehmern die
eindrucksvollen Dämme und Burgen dieser herrlichen Tiere.
Zur den Vorträgen am Sonntag kamen über 140 Teilnehmer in die Rodenbach Halle. Der Bürgermeister von Rodenbach, Klaus Schejna,
sprach Grußworte und lobte die Naturschutzarbeit des Arbeitskreises Main-Kinzig. Daher war es für ihn auch selbstverständlich
die Halle für die HGON-Tagung kostenlos zur Verfügung zu stellen. Nach weiteren Grußworten durch den 1. Vorsitzenden Oliver
Conz übernahm Matthias Korn von der Arbeitsgruppe Ornithologie die Moderation der Vorträge.
Den Anfang machte der sehr interessante Vortrag von Dr. Beat Naef-Daenzer aus der Schweiz zu dem Thema: „Was kommt nach dem
Ausfliegen? Wie junge Rauchschwalben die große, weite Welt erkunden“. Seine Arbeitsgruppe hat Rauchschwalben mit
Satellitensendern ausgestattet und die jungen Rauchschwalben auf ihrem weitern Lebensweg begleitet. Dabei zeigte sich,
dass fast 50 % der Jungen den erstem Monat nach dem Ausfliegen nicht Überleben, wobei Fraß durch Prädatoren die häufigste
Ursache sind. Allerdings haben die Leistung der Eltern bei der Jungenaufzucht grossen Einfluss auf die Überlebensrate der
Jungvögel und auch der Strukturreichtum der Landschaft ist von Bedeutung.
Antonia Hübner ist im Großraum Bonn der Frage auf dem Grund gegangen warum der Bestand des Baumpiepers so stark rückläufig ist.
In Ihrem Vortrag „Baumpieper im Sinkflug - Habitatpräferenzen einer bedrohten Vogelart“ konnte sie aus ihrem Untersuchungen
aufzeigen, dass hauptsächlich das Zuwachsen von Offenlandflächen der Grund sind. Daneben gehören auch das Fehlen von Singwarten
und offenen Bodenstellen zu den limitierenden Faktoren.
Vor der Mittagspause zeigten Ortwin Elle & Jan Engler von der Universität Trier, dass sich die Verbreitungsgrenze Orpheusspötter
immer mehr in den Westen verschiebt. Das
Vorkommen des Orpheusspöters erstreckte sich bisher von Nordafrika über die Iberische Halbinsel, Italien und Frankreich nach
Nordosten bis nach Belgien, in die Schweiz und den Südwesten Deutschlands. Es ist zu beobachten, dass er entlang den Flüssen
Mosel und Rhein weiter in Deutschland einwandert. Mit einem Farbberingungsprojekt erforschen die Mitarbeiter der Universität
Trier, die weitere Ausbreitung des Orpheusspötters. Auch in Hessen gilt es die Augen offen zu halten, denn es ist nur noch eine
Frage der Zeit bis die ersten Brutpaare sind auch bei uns ansiedeln.
Nach dem Mittagessen erzählte Dagmar Kudernatsch sehr unterhaltsame Forschungsergebnisse zum Thema: Gene lügen nicht –
Liebesleben und Überleben in einer isolierten Steinschmätzer-Population. Durch den genetischen Fingerabdruck, lässt sich
zwischenzeitlich feststellen, das „Treue“ in der Vogelwelt eher die Ausnahme als die Regel ist. Hier sind vor allem die
Nachbarn und große Männchen am Seitensprung beteiligt.
Zum Abschluss der Vortragsreihe berichteten Jens Hering & Dieter Kronbach über das Thema: „Perfekt getarnt! Wie häufig sind
rastende Zwergschnepfen wirklich?“. Sie haben sich mehrere Jahre intensiv auf die Suche der Zwergschnepfe im Raum Chemnitz
gemacht und dabei festgestellt, dass sie viel häufiger anzutreffen ist als ursprünglich vermutet. Allerdings ist sie durch
ihre perfekte Gefiedertarnung in ihren Rasthabitaten kaum zu entdecken, wenn man sich mit der Art nicht auskennt. Zur
allgemeinen Erheiterung konnten sich die Tagungsteilnehmer an Suchbildern im Finden von Zwergschnepfen üben.
In den Diskussionen nach den jeweiligen Vorträgen zeigte sich, dass ein großes Interesse an der onrithologischen Forschung vorhanden ist.
Um 15.30 Uhr ginge es dann mit der Mitgliederversammlung weiter. Oliver Conz berichtete aus der Arbeit der HGON und dem
aktuellen Sachstand. Es wurde über laufende Projekte berichtet sowie über vorliegende Anträge beraten und abgestimmt. Frau Schultheis
würdigte zum Schluss noch mal die engagierte Arbeit des Vorsitzenden Oliver Conz.
Gegen 17.30 endete die Tagung.
Wir möchten uns sehr herzlich beim Arbeitskreis Main-Kinzig für die Unterstützung zur Ausrichtung der Tagung bedanken.
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