Kormoran

Kormoranbestände gehen zurück - HGON fordert ein Ende des sinnlosen Tötens

Kormoran, Foto: C. Gelpke
Kormoran, Foto: C. Gelpke

Vor dem Hintergrund aktueller Bestandszahlen vom Wochenende fordert die HGON von den Spitzenkandidaten zur Landtagswahl ein klares Bekenntnis zum Vogelschutz. "Es muss endlich Schluss sein mit der wahllosen und ungezügelten Kormoranverfolgung!" zieht Oliver Conz, stellvertretender Vorsitzender der HGON, ein unmissverständliches Fazit der aktuellen Zählung überwinternder Kormorane. Am Wochenende hatten die Vogelkundler landesweit synchron die Bestände erfasst und einen erneuten Rückgang der Art festgestellt.

Aus der Ferne betrachtet wirken Kormoran pechschwarz. Aus der Nähe tragen die Wasservögel aber ein wunderschön schwarz-weiß gemustertes Federkleid, das in Grün- und Blautönen schimmert. Ihre Vorliebe für Fisch wurde ihnen schon einmal zum Verhängnis: war der Kormoran zu Zeiten Hildegard von Bingens noch ein Brutvogel hessischer Binnengewässer, hatte man ihn schon kurze Zeit später in ganz Mitteleuropa fast vollständig ausgerottet. Das ging besonders schnell, da die Vögel in ihren Brutkolonien und an ihren Schlafplätzen ein leichtes Ziel abgaben. Erst die völlige Jagdverschonung führte zu einer Erholung der Bestände Mitte des 20. Jahrhunderts. Davon profitierte auch Hessen: 1985 brütete die Art erstmals wieder am Rhein bei Lampertheim. Auch die Zahl der Kormorane, die im Winter aus skandinavischen Ländern zu uns kommen, stieg erfreulicherweise wieder an.

Und abermals wurde der Ruf nach Ausrottung laut. Diesmal allerdings nicht aus Angst um die Fastenspeise, sondern weil die Sportfischer-Lobby im Kormoran einen unliebsamen und lästigen Konkurrenten sieht. Die CDU hat daraufhin die Bestimmungen zum Abschuss der Kormorane drastisch gelockert: quasi auf Zuruf entscheiden heute Fischerei- und nicht Naturschutzbehörden über die Abschussanträge von Angelsportlern.

Die HGON hat früh vor den negativen Folgen dieser Lockerung gewarnt und sieht sich nun bestätigt. Seit ihrer Gründung vor über 40 Jahren erfasst die HGON regelmäßig Brut- und Winterbestände des Kormorans. Jetzt schlagen die Ornithologen Alarm: "Mitte der 1990er Jahre überwinterten noch 4.400 Kormorane aus Nord- und Osteuropa in Hessen, heute - nur zehn Jahre später - sind die Bestände bereits um ein Viertel zurückgegangen. "Am Rhein haben sich die Schlafplatzzahlen sogar halbiert," so der HGON-Experte Stefan Stübing. Allerdings erobern sich kleine Kormorangruppen von weniger als 100 Tieren immer wieder neue Überwinterungsgebiete und suggerieren dem Laien so eine ständige Ausbreitung und Zunahme, obwohl der hessische Winterbestand insgesamt sogar schrumpft.

Oliver Conz fordert daher die Spitzenkandidaten der Landtagsparteien auf, die Beendigung des Kormoranabschusses in ihre 100-Tage-Programme aufzunehmen und damit ein sichtbares Zeichen für den Artenschutz zu setzen. "Man kann nicht pausenlos den Vogelmord in Urlaubsländern anprangern und gleichzeitig vor der eigenen Haustür eine seltene Art mit laxen Vorschriften zum Abschuss freigeben!"

Ein besonders drastisches Beispiel für die Auswüchse der Regelung ist die Praxis im Landkreis Limburg-Weilburg. Mit Genehmigung des dortigen Landrates wurden allein 2005 und 2006 fast 200 Kormorane getötet, ohne dass man sich zuvor ein Bild über die tatsächlichen Bestände gemacht, sich des behaupteten Schadens an Fischen vergewissert oder Alternativen ernsthaft geprüft hätte. Die Genehmigung wurde jetzt bis 2010 verlängert, obwohl die Bestände bereits rückläufig sin d. Limburg-Weilburg nimmt damit den hessischen Spitzenplatz im Kormoranmord ein. Sollte die Einsicht der Landespolitik auch angesichts der haarsträubenden Auswirkungen ausbleiben, hofft man bei den Vogelkundlern von der HGON auf die EU-Kommission. Die hat bereits angekündigt, die Genehmigungspraxis unter die Lupe zu nehmen.

Kormoran, Foto S. Pfützke
Kormoran, Foto S. Pfützke
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