Auenverbünde

Auenverbund „Untere Gersprenz“

Ausgewiesen mit Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet „Auenverbund Untere Gersprenz“ vom 13. August 1998

 

Größe: ca. 2600 ha

 

Sonstige Schutzgebiete:

Große Teile des Auenverbundes sind auch in das Europäische Schutzgebietsnetz NATURA 2000 als Fauna-Flora-Habitat- (FFH) und/oder Vogelschutzgebiete (VSG) aufgenommen. Außerdem sind fünf Naturschutzgebiete in den Auenverbund eingebettet.

 

Schutzbemühungen in den Kernzonen und Renaturierungsmaßnahmen:

Insbesondere in den Kernzonen um die Hergershäuser Wiesen und den Reinheimer Teich wurden von den Verbänden (insbesondere HGON und NABU), der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Darmstadt-Dieburg, dem Land Hessen sowie den Kommunen Anstrengungen zur Aufwertung vorgenommen. Etwa 100 ha Fläche wurden in der Gersprenzaue zwischen Münster und Hergershausen für Naturschutzzwecke erworben und über ein Flurneuordnungsverfahren arrondiert. Wege wurden verlegt und so größere Ruhezonen geschaffen. Über ein Windrad werden große Flächen mit Wasser versorgt, das durch mehrere Stauhaltungen im Gebiet zurückgehalten wird. Die Nutzung und Pflege der Flächen wird von ortsansässigen Landwirten in Form extensiver Mähwiesennutzung vorgenommen, ergänzend erfolgt teilweise eine Beweidung mit Rindern, Pferden und Schafen  Die Gersprenz wurde in diesem Abschnitt auf eine Länge von nahezu 2 km renaturiert und eine Fischaufstiegshilfe geschaffen.

 

 

Auch im Umfeld des Reinheimer Teiches konnten durch Flächenkäufe und zusätzliche Kompensationsmaßnahmen Flächen hinzugewonnen werden. Die Anlage von Kleingewässern, umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen an der Gersprenz sowie an kleineren Fließgewässern haben hier zur weiteren Aufwertung geführt. Gemeinsam betreiben  am Rande des Gebietes die Kreisorganisationen von HGON und NABU das Informationszentrum „Naturschutzscheune Reinheimer Teich“, mit jährlich vielen Dutzend Veranstaltungen, Ausstellungen und mindestens 5000 Besuchern jährlich, trotz der erst 2010 weitgehend abgeschlossenen Aufbauphase.

Aber auch in weiteren Gebieten wie dem Hehnes und dem NSG Brackenbruch wurden durch Flächenkäufe und Vernässungsmaßnahmen weitere natuschutzfachliche Aufwertungen umgesetzt. An der Semme, dem Richer Bach und anderen Fließgewässern erfolgten Gewässerrenaturierungen auf insgesamt nahezu  10 km Länge.

 

Erfolge:

Arten:

Die Untere Gersprenzaue hat heute landesweite Bedeutung erlangt durch das Vorkommen der Europäischen Sumpfschildkröte, große Populationen des Laubfrosches und der Kreuzkröte. Bemerkenswert sind auch die Brutvorkommen von Weißstorch, Krick- und Schnatterente, Wasserralle, Kiebitz, Rohrweihe, Rohrschwirl, Schilfrohrsänger und Blaukehlchen. Regelmäßige Durchzügler sind Kraniche, Goldregenpfeifer, Fischadler, mehrere Enten- und Watvogelarten. Kornweihen überwintern hier und zunehmend auch wieder Raubwürger. Weitere herausragende Arten der FFH- und Vogelschutzrichtlinie mit regelmäßigen Vorkommen sind aufgrund der verschiedenartigen Bodenverhältnisse und der Lebensraumvielfalt Biber, Bitterling, Moorfrosch, Zauneidechse, Ameisenbläuling, Spanische Flagge, Hirschkäfer, Wespenbussard, Rot- und Schwarzmilan, Baumfalke, Pirol, Grauammer, Mittel- und Grauspecht, Silberscharte und weitere national gefährdete bzw. herausragende Arten.

 

Lebensräume:

Als Gewässer-Lebensraumtypen der FFH-Richtlinie wurden basenarme und kalkhaltige Stillgewässer sowie natürliche eutrophe Seen kartiert. Die Grünlandanteile enthalten u.a. Pfeifengraswiesen auf kalkreichem Boden, extensive Mähwiesen der planaren Stufe und offene Grasflächen mit Silbergras. In Randbereichen existieren außerdem Hainsimsen-Buchenwälder, Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder und Erlen-Eschenwälder an Fließgewässern.

 

Trotzdem Flickenteppich:

Trotz aller Bemühungen sind die Teilflächen isoliert und teilweise durch Intensivnutzung bzw. Überbauung dauerhaft voneinander getrennt. Die Lage am Rande eines Ballungsraumes führt leider regelmäßig zu Störungen und Beeinträchtigungen beispielsweise durch tieffliegende Luftfahrzeuge aller Art, frei laufende Hunde, sportliche Aktivitäten jeglicher Ausrichtung, Nutzungsänderungen, neue Baugebiete, Verkehrsanlagen usw. Leider ist es auch nicht gelungen, gemeinsam mit den Betreibern, den Segelflugplatz aus der Gersprenzaue beim Reinheimer Teich an eine verträglichere Stelle zu verlegen.

 

Chance zur weiteren Verbesserung: Die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL):

Neben den weiteren Naturschutzbemühungen auf der Fläche und kontinuierlichen Informations- und Öffentlichkeitskampagnen bietet vielleicht die WRRL eine Chance die bisherige Isolation der Teilflächen zumindest über die Gewässerbänder etwas abzumildern.

 

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