Auenverbünde

LSG "Auenverbund Fulda"

NSG Alte Fulda
NSG Alte Fulda

Das Landschaftsschutzgebiet (LSG) "Auenverbund Fulda" umfasst Flächen im Landkreis Kassel, im Schwalm-Eder-Kreis, im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, im Vogelsbergkreis und im Landkreis Fulda. Es hat eine Größe von ca. 9500 ha. Die Ausweisung erfolgte 1993. Die nachfolgende Beschreibung ist nur für den Kreis Hersfeld-Rotenburg zutreffend.

Leider blieben viele ökologisch wertvolle Bachauen, Zuflüsse der Fulda, außen vor. Die Verordnung sah ihren Schutz nicht vor. Zudem sind viele Handlungen mit Genehmigung zulässig. Somit ging der erschreckende Rückgang der auentypischen Arten unvermindert weiter.

Die acht Naturschutzgebiete mit einer Gesamtgröße von ca. 115 ha konnten dies nicht verhindern. Zumindest kann man sie im Landschaftschutzge­biet als mehr oder minder isolierte Kernzonen betrachten. Die Anträge zur Ausweisung dieser Naturschutzgebiete, sowie den Maßnahmen zur Renaturierung und Optimierung kamen ganz oder maßgeblich von der HGON.
Da die Verordnung des LSG den Erfordernissen des flächenmäßigen Auenschutzes nur bedingt erfüllte, liegt nun die Hoffung auf das Flora- Fauna- Habitat (FFH-Gebiet) und Vogelschutzgebiet (VSG). Diese beiden neuen Gebiete bilden das europäische Schutzgebietssystem NATURA 2000.

EU-Vogelschutzgebiet Fuldatal zwischen Rotenburg und Niederaula:

Das EU-Vogelschutzgebiet (VSG) hat zurzeit eine Flächengröße von 1796 ha und ist insbesondere ein wichtiges Rast-, Überwinterungs- und Vermehrungsgebiet für Zugvogelarten. Kernzonen des Vogelschutzgebietes sind die fünf Naturschutzgebiete mit einer Flächengröße von 72,12 ha.

Brutvögel:

Bei den Brutvögeln ist die Bedeutung eher geringer. Hier zeigt sich, dass die LSG-Verordnung bei der Erhaltung der Artenvielfalt in der Vergangenheit nur wenig griff. Fast alle wertgebenden typischen Arten der Auenkulturlandschaft sind heute als Brutvögel verschwunden.
Nachfolgend die bemerkenswerten Arten, mit dem Jahr des letzten Brutnachweises. Weißstorch (1996), Braunkehlchen (2000, danach nur noch einzelne unregelmäßige Brutzeitbeobachtungen), Kiebitz (2003) und Wiesenpieper (2008).

Der Wachtelkönig ist nur noch ein sporadischer Gast, der recht unregelmäßig auftritt. Der letzte Bruthinweis datiert aus dem Jahr 2003.
So muss mit Sorge betrachtet werden, welche Art folgen wird. Die Bekassine steht da ganz vorne. Schon über mehrere Jahre gibt es nur noch 1-2 Reviermeldungen. Beim Haubentaucher ist die schon kleine Brutpopulation ebenso rückläufig mit aktuell drei Brut- oder Revierpaaren. Ursache ist der geringe Bruterfolg, bedingt durch Freizeitstörungen und nachteilige Veränderungen (Wasserstandsschwankungen) an den wenigen Brutplätzen.

Erstmals im Jahr 2009 zeigte sich ein singender Schilfrohrsänger während der Brutzeit am Fuldaufer bei Blankenheim, Foto: Hubert Schreier

Rastvögel:

Die Fuldaaue ist eine bedeutende Leitlinie für ziehende europäische Vogelarten. Der überwiegende Teil dieser Rastvögel findet in den Naturschutzgebieten, „Forbachsee bei Bebra“, „Alte Fulda“ und „In den Weiden bei Blankenheim“ im Nordteil des VSG sowie im „Alte Fulda bei Asbach“ und „Bruchwiesen bei Mengshausen“  im Südteil je nach Art geeignete Rasthabitate. Die größeren Kiesseen im Nordteil bei Mecklar und Bebra werden, wenn die Störungen gering bleiben, ebenso aufgesucht. Bei einem gezielten Biotopmanagemet könnten aber erheblich mehr ziehende Vögel die Fuldaaue als Trittstein nutzen. Die bisherige Größe der Naturschutzgebiete und der beruhigten extensiv genutzten Auenabschnitte begrenzt dies. 

Hervorzuheben sind die Rastplatzzahlen von Stockente, Reiherente, Gänsesäger, Zwergtaucher und Silberreiher. Der Silberreiher ist aktuell ganzjährig im VSG anzutreffen.

 

Rotes Höhenvieh
Rotes Höhenvieh Foto. A. Werner

Beweidungsprojekt in Naturschutzgebieten:

Hervorzuheben sind die beiden Beweidungsprojekte bei Mengshausen und Blankenheim. Ziel ist hier eine großflächige, extensive, halboffene Weidelandschaft, mit unterschiedlichen Gewässerkomplexen zu entwickeln. Durch Verbiss und Tritt sollen abwechslungsreiche Mosaike aus Weiderasen, Hochstauden, offene Böden, vegetationsarme Ufer und Gehölzgruppen entstehen, die durch die herkömmliche Landwirtschaft nicht zu erreichen ist. Im Naturschutzgebiet „Bruchwiesen bei Mengshausen“ beweiden Heckrinder, Nachzüchtungen der Auerochsen die Feuchtwiesen ganzjährig. Bei Blankenheim im Naturschutzgebiet „Alte Fulda“ und angrenzenden Aue ist es das Rote Höhenvieh. Diese bedrohte Haustierrasse beweidet, aber nicht ganzjährig, das Grünland sowie die darin liegenden gestalteten Flutmulden und Rinnen. Es zeigt sich, dass mit der Umzäunung der Weideflächen eine erhebliche Beruhigung der Naturschutzgebiete zu erreicht ist.
Die Weideposten und die Drähte sind zudem bevorzugte Ansitzwarten insbesondere für Wiesenschafstelze, Braunkehlchen, Steinschmätzer, Neuntöter und weitere Arten. Nachteilig dagegen ist die geringe Beweidungsfläche der beiden Naturschutzgebiete, die bei etwa je 15 ha liegt.

Auch der wirtschaftliche Betrieb setzt oft Grenzen bei dem notwenigem intensiven Abweiden der Vegetation, einschließlich des Gehölzverbisses.
Neue beständige Brutansiedlungen oder positive Bestandsentwicklungen vorhandener Arten blieben bisher aus.

Auenrenaturierungen im VSG:

Die umfangreichen Auenrenaturierungen der Fulda brachten bisher keine einschneidende positive Wende bei der Neuansiedlung von Brutvögeln.

Probleme bereiten alle nicht ständig von der Fulda durchflossene gestalteten Mulden und Rinnen. Steigendes Wasser schwemmt hier Unmengen an unerwünschten Sedimenten vermischt mit Nährstoffen ein, die sich dann ablagern. Permanent Wasser führende Mulden verlanden deshalb wesentlich schneller und ein forciertes Pflanzenwachstum verhindert weitgehend die erwarteten ausgedehnten dynamischen offene Strukturen wie Sand- und Kiesbänke sowie Steilufer. Im Nachgang, mit unklarem Ausgang, wird jetzt zumindest versucht, durch Beweidung und Mulchen die Verbuschung in Grenzen zu halten.

Die bisherigen ideellen Vorstellungen einer natürlichen Auendynamik werden schon durch die vielfältigen Nutzungen in der Fuldaaue auf ein Minimum reduziert und scheitern dann, wenn sie sich nur auf amtlich festgelegten Flächen beschränken.

Außerhalb der NSG sind die Renaturierungen zudem noch durch Beunruhigungen wie Naherholung, Freizeit und Jagd belastet. Auch der zunehmende Kleinbootbetrieb auf der Fulda bereitet Sorge, insbesondere dann, wenn Naturschutzgebiete regelmäßig verbotswidrig befahren werden.

Deshalb sind alle bisherigen Maßnahmen, in dieser Form, von der Auenrenaturierungen bis zur Grünlandextensivierung, differenzierter und kritischer auf ihre Nachhaltigkeit zu überprüfen.

FFH-Gebiet „Auenwiesen von Fulda Rohrbach und Solz“

Von der südlichen Kreisgrenze bei Solms bis nach Bebra-Breitenbach überlagert sich das FFH-Gebiet  mit dem „Auenwiesen von Fulda Rohrbach und Solz“ mit dem Vogelschutzgebiet.  Außerhalb der Fuldaaue liegen zwei kleinere Teile, die zu den Bachauen von Solz und Rohrbach gehören. Hier kommen unter anderem der Dunkle Ameisenbläuling, die Gelbbauchunke und der Biber vor.

Info

Wer sich vor Ort über das VSG und FFH-Gebiet informieren möchte, dem bieten die vier Beobachtungsstände schöne Einblicke in die Auenlandschaft. Gestaltete Info-Tafeln vermitteln wissenswertes über örtliche und regionale Besonderheiten. In den Beweidungsprojekten kann man die urigen Heckrinder und das Höhenvieh in einer schon recht naturnahen Auenlandschaft sehen. 


SUCHE

Information

Auf der Internetseite des Arbeitskreise HEF-ROF gibt es umfangreiche aktuelle Zusammenstellung von Beobachtungen und Kartierungen zu den Vogelarten die in der Flussaue leben zur Einsicht. Neu sind jetzt auch wechselnde Filmclips, die diese Arten in ihren Lebensräumen zeigen.

 

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