Wald

Im Stadtwald mehr Natur zulassen!

Gemeinsame Pressemitteilung von BUND, BVNH, HGON, NABU, WWF, IG BAU:

20.04.2011: Naturschützer und Gewerkschaft fordern von den hessischen Kommunen eine naturnähere Waldbewirtschaftung – Hoffnung auf Kurskorrektur nach der Kommunalwahl
 
Nach der Kommunalwahl fordern die großen hessischen Naturschutzverbände, der WWF Deutschland und die Forstgewerkschaft IG BAU von den hessischen Kommunen eine größere Naturnähe bei der Bewirtschaftung ihrer Wälder durch die Bindung an die überprüfbaren ökologischen und sozialen Standards des Forest Stewardship Council (FSC). „Lippenbekenntnisse reichen nicht! Kommunen, die es mit dem Naturschutz und der sozialen Gerechtigkeit ernst meinen, sollten ihre Wälder nach dem FSC-Standard bewirtschaften lassen“, fasst Jörg Nitsch vom hessischen Landesvorstand des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Hessen) die gemeinsame Position zusammen. Die heutige Bewirtschaftung nach den Regeln des Konkurrenzsystem PEFC genügt den Verbänden nicht, weil sie die Artenvielfalt nur ungenügend schützt und weniger transparent ist. Für Volker Diefenbach, Vorsitzender der Landesvertretung Hessen für Forsten und Naturschutz in der IG BAU, gehört die Anerkennung der verbindlichen und prüfbaren Bewirtschaftungsregeln des FSC gerade jetzt in das Pflichtenheft der Kommunalpolitik:  „Die Anerkennung der FSC-Regeln ist der richtige Beitrag der Städte und Gemeinden zum „Internationalen Jahr der Wälder, denn die nachhaltige Waldbewirtschaftung im Sinne der Umweltkonferenz von Rio 1992 ist die wichtige Kulturaufgabe, der wir uns stellen müssen.“
 
„Jetzt nach den Kommunalwahlen ist die beste Gelegenheit, die Weichen hin zu einer ökologischen Waldwirtschaft zu stellen“, fordert Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes NABU Hessen, die Parteien zum Handeln auf. Über 400 hessische NABU-Gruppen stünden bereit, die Kommunen bei der Einführung von FSC zu beraten und zu unterstützen. Die Losung „Jetzt Druck machen“ hat auch Oliver Conz der Vorsitzende der Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) vor einigen Tagen bei der Jahresversammlung seiner Gesellschaft ausgegeben. Die Waldreferentin des WWF Deutschland Nina Griesshammer begründet das langjährige Engagement des WWF für eine Waldbewirtschaftung nach dem FSC-Standard in Deutschland auch mit der Vorbildfunktion: „Als international tätige Organisation wissen wir besonders um die Vorbildfunktion einer ökonomisch, ökologischen und sozial ausgewogenen Waldwirtschaft nach prüfbaren Kriterien in den Industrieländern für die Länder des Südens“.
 
Für die Naturschutzverbände ist wichtig, dass nach FSC-zertifizierte Forstbetriebe tatsächlich vor Ort und vor der Zertifikatsvergabe geprüft werden. Nachdem die Agrarlandschaft bis auf Restflächen extrem artenarm geworden ist, kommt den Wälder heute die maßgebliche Bedeutung bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt zu. Wälder sind nicht nur in den Tropen, sondern auch in Mitteleuropa die artenreichsten Ökosysteme. In Deutschland zählt der Wald überwiegend zur Kulturlandschaft und nimmt etwa 31 Prozent der Landesfläche ein. In Hessen hat sogar einen Bewaldungsanteil von 42 Prozent. Davon wird der allergrößte Teil als Wirtschaftswald genutzt. Das zeigt wie wichtig eine Bewirtschaftung ist, die den Schutz und die Förderung der Artenvielfalt mit der Holznutzung optimal verbindet. Die naturnahe Forstwirtschaft nach den Regeln von FSC ist ein Erfolg versprechendes Konzept im Spannungsfeld von wirtschaftlicher Nutzung und Naturschutzfunktion. Auch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) unterstützt das FSC-Zertifikat, weil es als einziges einer umfassenden Definition von sozialer, ökonomischer und insbesondere ökologischer Nachhaltigkeit gerecht wird.
 
Das FSC-Siegel ist ein internationales Gütesiegel für Holzprodukte aus sozialer und ökologischer Waldbewirtschaftung. Die Bewertung erfolgt anhand anspruchsvoller und überprüfbarer sozialer, ökologischer und ökonomischer Kriterien, die illegale Rodungen und Raubbau vermeiden helfen. Der im Internet veröffentlichte deutsche FSC-Standard beschreibt die weltweit einheitlichen Prinzipien und Anforderungen an die Waldbewirtschaftung zur Gewinnung von FSC-zertifiziertem Holz. Die einzelnen Anforderungen sind im FSC-Standard für die Anwendung auf deutsche Forstbetriebe konkretisiert. Forstbetriebe werden vor der Vergabe des Zertifikats und danach jährlich durch eine unabhängige Organisation kontrolliert.
Hingegen erfolgt bei PEFC vor der Zertifikatsausstellung keine Betriebskontrolle, sondern nur eine Prüfung des Waldberichts für ein ganzes Bundesland, die so genannte „forstliche Region“. Die Folgeprüfungen erfolgen auch nicht jährlich, sondern im Abstand von fünf Jahren. Der einzelne Forstbetrieb unterzeichnet nur eine Selbstverpflichtungserklärung zur Einhaltung "PEFC-Standards für Deutschland“ in der Fassung seines regionalen Waldberichts. Ob er diesen Standard einhält wird jährlich wird auf einem zufällig ausgewählten Flächenanteil von ca. 10 % der zertifizierten Betriebe kontrolliert. Viele PEFC-Betriebe haben damit noch nie einen Zertifizierer gesehen.
 
Das Leitbild des FSC ist die natürliche Waldgesellschaft. Die in Jahrtausenden entstandenen Lebensgemeinschaften sind sehr resistent gegen äußere Einflüsse wie Schnee, Sturm, Feuer oder Klimaveränderungen. Der FSC-Standard stellt sicher, dass nicht-heimische Baumarten, wie Douglasie, oder Roteiche, nur in so geringem Umfang eingebracht werden, dass die langfristige Entwicklung der Wälder hin zu natürlichen Waldgesellschaften nicht gefährdet wird.
Der ökologische Unterschied zwischen PEFC und FSC wird an den Vorgaben zu den Biotopbäumen besonders deutlich. Biotopbäume sind Bäume mit Höhlen und alte Baumveteranen. Die Existenz solcher Biotopbäume ist die Voraussetzung für das Vorkommen unzähliger hochspezialisierter Arten, die heute vom Aussterben bedroht sind, weil nicht genügend alte Bäume im Wald verbleiben dürfen. Während FSC die Sicherung von 10 Biotopbäumen je Hektar fordert, heißt in den PEFC-Regeln aus 2009 nur unverbindlich: „Es ist wichtig, dass ein ausreichender Anteil an Totholz und Biotopbäumen bei der Bewirtschaftung berücksichtigt und dauerhaft von der Nutzung ausgenommen wird.“ Sehr große kommunale Forstbetriebe mit mehr als 1000 Hektar Wald müssen bei FSC außerdem noch auf 5 % ihrer Fläche so genannte Referenzflächen nachweisen. Auf diesen Stilllegungsflächen kann dann die natürliche Waldentwicklung beobachtet werden. Diese Flächen haben ebenfalls eine ganz herausragende Bedeutung für den Naturschutz, weil sich hier langfristig kleine Urwälder entwickeln werden. Ungenutzte Referenzflächen gibt es bei PEFC gar nicht.
 
Nach dem Waldbericht der Bundesregierung aus 2009 werden in Deutschland noch rund 7,3 Mio. ha (ca. 66 % der Waldfläche) nach dem forstliche Zertifizierungssysteme „Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC)“ und nur ca. 480.000 ha Waldfläche (4,3 % der Waldfläche) nach den ökologisch wertvolleren und vor allem besser überprüfbaren Kriterien des  „Forest Stewardship Council (FSC)“ bewirtschaftet. In Hessen sind bereits die Kommunalwälder von Wiesbaden, Bad Nauheim, Dieburg, Babenhausen, Schaafheim, Eppertshausen, Groß-Umstadt, Groß-Zimmern, Messel, Münster, Reinheim, Roßdorf, Groß-Bieberau, Otzberg, Heidenrod und Rosbach v.d.H. nach FSC-zertifiziert und die Kommunen Bad Vilbel, Schlangenbad und Karben haben ihre Wälder bereits für die Zertifizierung angemeldet.
 

Rückfragen beantworten Ihnen
Thomas Norgall, Naturschutzreferent des BUND Hessen    0170 2277238
Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU Hessen    06257-64371
Nina Griesshammer, WWF Deutschland, Internationale Forstpolitik & Tropenwald 0151-18854961


Warum FSC

FSC-Logo

Der Verbraucher bestimmt mit seiner Kaufentscheidung die Bewirtschaftung der Landschaft. Gütesiegel sind ein Mittel, ihn für umweltgerecht erzeugte Produkte zu gewinnen. Bioland, Demeter und andere haben sich als Gütesiegel für Lebensmittel durchgesetzt und den Vormarsch einer umweltgerechteren Landwirtschaft eingeleitet. Der Raubbau des Regenwaldes war für internationale Naturschutzorganisationen, wie WWF und Greenpeace, der Anlass, ein Gütesiegel für Holzprodukte, den Forest Stewardship Council (FSC) ins Leben zu rufen. Vornehmlich sollte damit die Zerstörung der tropischen Wälder gestoppt werden ohne diejenigen zu bestrafen, die eine nachhaltige Bewirtschaftung auch von Tropenholz sicherstellten. FSC bemüht sich um eine umweltgerechte, sozialverträgliche und zugleich ökonomisch tragfähige Nutzung des Waldes.


Die hessischen Naturschutzverbände haben daher eine Zertifizierung des Staatswaldes nach FSC-Richtlinien gefordert. Bislang erfolglos. Gleichwohl haben zahlreiche Kommunen ihren Waldbesitz nach FSC zertifizieren lassen und einige Oppositionsparteien versprechen die FSC-Zertifizierung des Staatswaldes für den Fall ihres Wahlsieges nach der kommenden Landtagswahl.

Vorteil FSC: Echte Mitbestimmung von Naturschützern und Gewerkschaften

Ein Vorteil des FSC ist, dass Umweltverbände, Gewerkschaften und Waldeigentümer nach den Statuten des FSC gemeinsam die wesentlichen Entscheidungen über die Standards der Zertifizierung treffen.

Vorteil FSC: Klare Standards für den Naturschutz

Die Mitbestimmung des Naturschutzes führt zu klareren Standards zu Gunsten der Natur bei der FSC-Zertifizierung. Der Biozid-Einsatz ist sehr kategorisch ausgeschlossen. FSC verlangt vom Waldbesitzer zudem ein Totholzmanagement zur Steigerung des Totholzanteils und fordert eine langfristige Orientierung zu einer standortheimischen Bestockung, also lediglich einheimische Baumarten.

Sehr deutlich hebt sich FSC von anderen Zertifikaten ab, wenn es um sogenannte Referenzflächen geht. Darunter werden Waldflächen verstanden, auf denen sich der Wald ungestört entwickeln kann. FSC sieht vor, dass ab einer Betriebsgröße von 1.000 ha fünf Prozent der Fläche aus der Bewirtschaftung genommen werden müssen. Dabei müssen die Einzelflächen mindestens 20 ha umfassen. Dies kommt vor allem den Arten zugute, die auf die Zerfallsphase im Wald spezialisiert sind.

Vorteil FSC: Schärfere Kontrollen

Die Zertifizierung erfolgt bei FSC durch unabhängige Gutachter. Die Einhaltung der Standards wird bei FSC in jährlichen Audits überprüft.


Die HGON ist Mitglied im FSC, weil sie es für das richtige Zertifikat für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung hält. Mit härteren Standards für die Natur und größerer Glaubwürdigkeit durch strenge Kontrollen. Das honorieren auch die Verbraucher: OBI, Hornbach, der Otto-Versand, die Deutsche Bahn und Neckermann gehören zu den Förderern von FSC.

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