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  • 30.Sep.2012

    Das NSG Graf Dietrichs Weiher mit positiver Bilanz

    Das Naturschutzgebiet profitiert von dem winterlichen Ablassen des Teiches. Nicht immer lassen Pflegemaßnahmen in Naturschutzgebieten das Pflegeziel erkennen. Schnell, oft zu schnell, stellt der Uneingeweihte die Frage: muss das sein? - Was soll das? Und selten, viel zu selten wird nach einer Pflegemaßnahme auch das Ergebnis beleuchtet - ob positiv oder negativ.
    So reagierten viele Besucher des Naturschutzgebietes Graf Dietrichs Weiher bei Fischborn im letzten Herbst verwundert auf das Ablassen des Teiches und waren bestürzt, als sie im Frühjahr noch immer den Teich ohne Wasser vorfanden. Protest wurde laut, denn in der Tat, es bot sich ein ungewohntes Bild – erstmals seit 13 Jahren wurde der Weiher wieder ausgewintert.
    Den Grund wussten die Wenigsten: die kanadische Wasserpest hatte sich ausgebreitet und filzartig die Wasserfläche für Wasservögel blockiert, die Nahrungsgrundlage für Tauchentenküken drohte auszufallen, - zu groß war die Nahrungskonkurrenz des Fischbestandes im Teich angewachsen. Und ganz nebenbei sollte der Schlammboden im Teich infolge der verbesserten Sauerstoffversorgung deutlich stärker mineralisiert werden.
    Als Anfang Mai der Teich noch immer nicht gefüllt, und eine breite Schlickfläche sichtbar war, schrillte das Telefon sogar beim RP, der oberen Naturschutzbehörde in Darmstadt. Die Wenigsten erkannten in diesem Schritt eine gezielte Maßnahme zur Förderung bestimmter Tierarten. Man musste Frühaufsteher sein, und ein gutes Fernglas besitzen um den scheuen Schwarzstorch oder seltenen Bergpieper zu sehen, oder acht verschiedene Limikolenarten - von Alpenstrandläufer bis Zwergschnepfe - auf dem Frühjahrszug zu beobachten. Die Watt ähnlichen Bedingungen des Graf Dietrichs Weiher machte es den Watvögeln im Binnenland möglich einen Rastplatz und eine Nahrungsquelle auf dem kräftezehrenden Frühjahreszug zu nutzen.
    Wie wurde das aber von den heimischen Arten aufgenommen? Dank den vielfältigen Strukturen des Naturschutzgebietes blieben sie an und in den 7 kleineren Teichen die mosaikartig den abgelassenen Hauptweiher umgeben. Es bewährte sich, dass das Naturschutzgebiet seit vielen Jahren von ehrenamtlichen Betreuern der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) betreut wird, die seit der ökologischen Umgestaltung im Jahr 1998/99 nicht nur 192 verschiedene Vogelarten in dem Naturschutzgebiet registriert haben, sondern auch den jährlichen Brutbestand. So ist ein langjähriger Vergleich möglich - der wie vorausgesagt - nicht aus dem Rahmen fällt. Die Wasserpest war begünstigt durch Frost ohne Schneeauflage als Hemmnis verschwunden. Wieder brütete die Tafelente erfolgreich und zog 6 Junge groß, auch Reiherente mit 2 und Zwergtaucher mit 4 Brutpaaren blieben “im Soll“. Auch Vogelarten die weniger zu sehen dafür aber besser zu hören sind wie Wasserralle und Tüpfelsumpfhuhn riefen laut und ausdauernd. Das wurde nachts selbst in der nahen Weiherstraße von den Anwohnern, die sonst nur das laute Konzert der Laubfrösche gewohnt waren, wahrgenommen. Dagegen hatten Höckerschwan und Nilgans keinen Bruterfolg da der sonst übliche Brutplatz – die Insel im Teich, kein wasser-umgebenes Land mehr war, und sie an anderer Stelle dem Feinddruck durch Fuchs und Waschbär nicht gewachsen waren. Auch wenn der Eisvogel nach der Brutzeit als ständiger Nahrungsgast am Graf Dietrichs Weiher verweilt, war aufgrund der vorausgegangen zwei strengen Wintern in diesem Jahr kein Eisvogel-Nachwuchs zu registrieren. Ganz im Gegensatz zur Bekassine die sich erstmals seit Jahren wieder mit Jungen zeigte.
    Der Brut- und Rastvogelreichtum des Gebietes ist nicht nur den vielfältig gestalteten Strukturen des Naturschutzgebietes geschuldet, sondern auch dem optimale Biotopmanagement unter Federführung der Herren Schwarz und Schlegelmilch vom Forstamt Schlüchtern in Übereinstimmung mit den langjährigen, ehrenamtlichen Pflege- und Gestaltungsmaßnahmen der HGON Betreuer. Dabei ist es unerheblich ob man als Bioindikatoren Vögel, Libellen, Amphibien oder Reptilien auswählt, das Naturschutzgebiet ist als vielfältig gegliedertes Feuchtbiotop eine Zufluchtsstätte bestandsbedrohter Tier- und Pflanzengesellschaften.
    Werner Peter, der ehrenamtliche NSG-Betreuer und kreisweit bekannte Naturschutzaktivist bringt es auf den Punkt: „Man muss in Hessen schon sehr weit fahren, um ein derartiges Artenspektrum zu jeder Jahreszeit beobachten zu können. Außerdem gibt es im MKK kaum ein anderes Naturschutzgebiet, dessen Pflegemanagement so vorbildlich ist, wie am Graf-Dietrichs-Weiher“.

    Im September 2012 von W. Peter und B. Dressler

     

 

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