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  • 10.Nov.2011

    Seltene Greife in Hessen unterwegs Schwarz-weiße Bussarde aus Skandinavien


    Derzeit ist ein sehr seltenes Phänomen auch in Hessen zu beobachten: Der Einflug skandinavischer Raufußbussarde. Diese hochnordischen Vögel überwintern normalerweise nur in Norddeutschland, so dass die Art für Vogelkundler im Binnenland ein wahrer „Traumvogel“ ist.
    Wenn Raufußbussarde nach Hessen kommen, dann eigentlich nur von Ende November oder ab Dezember. Der Einflug 2011 startete allerdings schon am 14. Oktober, als während des starken Kranichdurchzuges mehr als 25 der seltenen Gäste beobachtete werden konnten und die Gesamtzahl landesweit auf wohl mehr als 100 Vögel geschätzt wurde.
    Die Ursachen für das Spektakel liegen weit im Norden im Verbreitungsgebiet der Art: In Skandinavien wurde in diesem Jahr vielerorts die größte Massenvermehrung von Lemmingen seit etwa 30 Jahren beobachtet. Die kleinen Nager sind eine Hauptbeute der Bussarde, die deshalb selbst eine Rekordzahl eigener Jungvögel aufziehen konnten. Als die jungen Raufußbussarde flügge waren, war die Population so weit angestiegen, dass sich viele der unerfahrenen Jungvögel zum Abzug aus Skandinavien entschlossen, weil sie weiter südlich weniger Konkurrenz und bessere Überwinterungsbedingungen vermuteten. So konnten an der Südspitze Schwedens in einer seit 40 Jahren betriebenen Zählstation für Zugvögel bei Falsterbo ein neuer Rekord für den Raufußbussard beobachtet werden.
    Und nicht nur das – aufgrund der großen Lemming Zahl haben auch viele andere Brutvögel Skandinaviens sehr gute Bruterfolge zu verzeichnen, da ihre Feinde wie Polarfüchse oder Schnee-Eulen sich fast ausschließlich von den einfach zu fangenden Lemmingen ernähren konnten. Gerade solche Begebenheiten machen die Vogelkunde so spannend: In der Ökologie hängt „alles von allem ab“ und z. B. das Auftreten skandinavischer Bussarde in Hessen steht in direktem Zusammenhang mit der Bestandsexplosion kleiner Nagetiere am Polarkreis!
    Wer nun die Chance nutzen und nach Raufußbussarden suchen möchte, sollte sich vor allem auf Landschaften konzentrieren, die an skandinavische Weiten erinnern, z.B. offene, leicht hügelige Ackerflächen. Zwar ist der Raufußbussard auch für fortgeschrittene Vogelkundler oft nicht leicht zu bestimmen, wenn die namensgebenden befiederten Läufe nicht zu sehen sind. Beim Mäusebussard und allen weiteren heimischen Greifvögeln sind die Läufe unbefiedert gelb. Die derzeit anwesenden Jungvögel zeichnen sich jedoch durch eine sehr stark kontrastierende Gefiederzeichnung aus: Die Schwanzfedern sind innen weiß und außen klar abgesetzt dunkelbraun und das Körpergefieder ist unterseits hell mit einem auffallenden schwarzen Bauchschild. Ähnlich hellen Mäusebussarden fehlt das Bauchschild fast immer.
    Wer Raufußbussarde oder andere Vogelarten beobachtet hat und diese an die Vogelkundler melden möchte, dem steht das Internetportal www.ornitho.de zur Verfügung. Nach einer kurzen Anmeldung können Sie hier Ihre Vogelbeobachtungen eintragen und die aktuelle Verbreitung aller Arten auf Karten ansehen. Schauen Sie einfach mal rein!
    Wenn Sie noch mehr über die Vögel in Hessen erfahren möchten, dann empfehlen wir Ihnen das neu erschienene, reich bebilderte Standardwerk über die hessische Vogelwelt „Vögel in Hessen - Die Brutvögel Hessens in Raum und Zeit - Brutvogelatlas“ mit über 500 Seiten.
    Das Buch kann zum Preis von 49,80 € zzgl. Versandkosten in der HGON-Geschäftsstelle (Tel. 06008-1803 oder E-Mail: marion.mogk(at)hgon.de ) bestellt werden. Mehr Informationen dazu auf www.hgon.de.

 

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