Forschungsprojekte

Farbberingung der Frankfurter Großmöwen-Kolonie

 

 

Mittelmeermöwe, Foto: Zettl

Hintergrund

Über die Entwicklung von Hessens einziger und auch bundesweit durch die Artzusammensetzung und Lage im tiefen Binnenland einmaliger Großmöwen-Kolonie auf dem Dach des Posthofs nahe des Frankfurter Hauptbahnhofs wird regelmäßig im HGON-Birdnet berichtet. Gleich drei neue Brutvogelarten konnten für Hessen in den vergangenen Jahren hier nachgewiesen werden: 2008 das erste Heringsmöwen-Paar. Seit 2009 brütet eine Mantelmöwe erfolgreich mit einer Mittelmeermöwe, wobei es sich um den ersten Nachweis einer Hybridisierung beider Arten überhaupt handelt. In diesem Jahr folgte eine Steppenmöwe (oder ein Hybrid mit Steppenmöwenbeteiligung), die ebenfalls in einer Mischbrut mit der Mittelmeermöwe zwei Jungvögel aufzog.

Dank der Unterstützung des Sicherheitsdienstes der Commerzbank können von einem benachbarten Commerzbankgebäude regelmäßig Erfassungen der Kolonie durchgeführt werden. In diesem Jahr gestattete uns die Post erstmals auch den direkten Zugang zur Kolonie, wofür wir uns auch an dieser Stelle ganz herzlich bedanken. In Zusammenarbeit mit der Staatlichen Vogelschutzwarte und der Vogelwarte Helgoland konnte die HGON daher im Rahmen des Farbring-Programms von Sönke Martens die Jungvögel der Frankfurter Kolonie nun erstmals farbig beringen. Sönke Martens untersucht seit 2005 das Zug-, Ausbreitungs- und Brutverhalten der Heringsmöwen in ausgewählten Kolonien Norddeutschlands. Der Biologe Martin Gottschling, Beringer der Helgoländer Heringsmöwen-Kolonie, unterstützte uns auf dem Posthof mit einer wertvollen Einweisung in die Farbberingung. Allen Beteiligten ein herzliches Dankeschön für ihren Einsatz!

Beringung

Von 27 Großmöwen-Paaren (Mittelmeermöwe 19 Brutpaare [BP], Mantel- x Mittelmeermöwe 1 BP, Steppen- x Mittelmeermöwe 1 BP, Heringsmöwe 6 BP) konnten in diesem Jahr 48 Jungvögel beringt werden, 38 davon mit Farbringen. Die Farbringe sind gelb mit einem schwarzen, vierstelligen Code, bestehend aus zwei Ziffern, zwei Zahlen und einem Trennungs- Punkt.

Die ersten Jungvögel sind flügge, so dass mit ihrem Auftreten in Frankfurt und anderen Teilen Hessens gerechnet werden kann. Im Spätsommer werden die Jungvögel vermutlich mit den meisten Altvögeln abwandern. 

Bitte um Mithilfe

Bei Beobachtungen diesjähriger Großmöwen sollte daher unbedingt auf eine mögliche Beringung geachtet werden. Wo möglich, sollten die beringten Exemplare fotografiert werden, da die Entwicklung der verschiedenen Alterskleider individuell kenntlicher Vögel aufgrund der großen Variationsbreite äußerst interessant ist. Von großem Interesse ist natürlich die Entwicklung der jungen Hybriden zwischen Mantel- und Mittelmeermöwe, die mit Metallringen gekennzeichnet sind.

Ringablesungen sollten direkt an die Vogelwarte Helgoland (email Beringungszentrale: ifv.ring(at)ifv-vogelwarte.de) gesendet werden. Wir bitten zusätzlich um eine Meldung im HGON-Birdnet, um die Beobachter in Hessen direkt auf dem Laufenden zu halten. Der Ableser erhält ein Antwortschreiben mit allen Wiederfunden des betreffenden Vogels. Vielen Dank im Voraus und viel Erfolg bei der Suche nach den jungen Posthof-Möwen!

 

Ingo Rösler

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