Forschungsprojekte

Farbberingung von Schwarzstörchen in Hessen

Seit 1994 gibt es ein internationales Farbringmarkierungsprogramm beim Schwarzstorch. Über 20 Nationen beteiligen sich inzwischen erfolgreich daran. Erst 2005 stieg auch Deutschland in das laufende Programm ein - allerdings nur mit den vier ostdeutschen Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Farbmarkierte Schwarzstorch-Jungvögel, Eichelsachsen VB 2008; (Foto: Martin Hormann)

Dass sich das nun ändert, dafür haben Martin Hormann und Gerd Bauschmann von der Staatlichen Vogelschutzwarte gesorgt. Gemeinsam mit Carsten Rohde, Schwarzstorchexperte aus Mecklenburg-Vorpommern, wurden Mitte Juni 2008 15 junge Schwarzstörche aus vier Horsten in Rhön und Vogelsberg mit Ringen der Vogelwarte Helgoland am rechten und Farbringen am linken Bein markiert. Unterstützt wurden sie dabei von Jörg Burkhardt (Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde und Kreisbeauftragter für Vogelschutz im Kreis Fulda) sowie Axel Rockel (Revierförsterei Eichelsachsen und Kreisbeauftragter für den Vogelsbergkreis) .

Abzugsrichtungen deutscher Schwarzstörche 1934-2000 (n = 24 Ringfunde).

Von 352 zwischen 1972 bis 2000 in Deutschland herkömmlich beringten Schwarzstörchen liegen lediglich 21 (6 %) Rückmeldungen vor. Die Farbringe sind hingegen leicht auch aus größerer Entfernung abzulesen und versprechen eine vielfach höhere Rückmeldungsrate. Für Deutschland werden weiße Ringe mit schwarzen Zahlen und Buchstaben verwendet, derzeit ein T (für Teutonia) sowie ein weiterer Buchstabe und eine Zahl von 0 bis 9. Die in Hessen beringten Jungstörche tragen daher die Kombinationen TN 0 bis TN 9 und TL 0 bis TL 4. Wenn diese oder andere markierte Schwarzstörche beobachtet werden, melden Sie diese bitte weiter an Martin Hormann von der Staatlichen Vogelschutzwarte (m.hormann(at)vswffm.de).

Die Markierungen sollen Auskunft geben über das Zugverhalten der Schwarzstörche: Welche Routen werden gewählt, welche Zwischenrastplätze angeflogen, wo überwintern die Tiere? Auch die Fragen nach dem Ansiedlungsverhalten von Schwarzstörchen, gerade im Zusammenhang mit dem aktuellen Anstieg der Population im westlichen Mitteleuropa, sollen mit Hilfe der Farbmarkierungen geklärt werden. Dadurch sind auch explizitere Aussagen zu möglichen Todesursachen auf den Zugwegen und in den Überwinterungsgebieten, aber auch an den Brutplätzen zu erwarten.

In den nächsten Jahren soll das Farbmarkierungsprogramm an Schwarzstörchen in Hessen noch ausgeweitet und evtl. auch auf Rheinland-Pfalz ausgedehnt werden. Bereits in diesem Jahr konnten, durch die Vermittlung von Martin Hormann, auch erstmals Störche in der thüringischen Rhön beringt werden.

Schwarzstorch-Horst, Geburtshorst von P9 - 28.05.04 (Foto: Patric Lorgé)

Erste Ringablesungen

Mit den 12 thüringischen Jungvögeln von 3 grenznahen Paaren wurden in dieser Saison insgesamt 27 Jungvögel von 7 Paaren beringt. Dies macht sehr deutlich, dass der Reproduktionserfolg in den fließgewässerreichen Mittelgebirgen sehr gut ist – nur ein Paar hatte 3 und alle andern 4 Junge!

Sehr erfreulich ist, dass bereits am 22. und 23. August die ersten Ringablesungen und Rückmeldungen erfolgten. So konnte beispielsweise der Jungvogel „TN 4“ aus dem Horst Findlos (EU-VSG Rhön) 408 Kilometer nordöstlich, in Mecklenburg-Vorpommern, beobachtet werden. Dort wurde er mit mindestes 6 verschiedenen Ind. bei der Nahrungssuche in Flachwassertümpeln gesehen. Aufgrund des relativ weit östlichen Aufenthaltes ist zu vermuten, dass „TN 4“ die Südost-Route einschlägt und über Israel nach Ostafrika zieht und dort überwintert.

Ein weiterer Jungvogel „TM 5“ konnte im NSG Mairied (Teil des EU-VSG Wetterau) bei Trais-Horloff mit zwei weiteren Schwarzstörchen vergesellschaftet, beobachtet werden. TM 5 (vier Nestgeschwister) stammt aus einem Horst im hessischen-thüringischen Grenzgebiet. Von den beiden anderen Schwarzstörchen trug der adulte Vogel einen Aluring (rechts oben). Leider konnte die Nummer nicht abgelesen werden. Der dritte Schwarzstorch (juv.) war unberingt und folglich nicht mit TM 5 verwandt.

Weitere Ringablesungen von Jungstörchen bestätigen die Vermutung, dass die Jungvögel nach dem Verlassen der Brutreviere erst einmal ungerichtet und sternförmig umherstreifen – eventuell, um schon im Vorfeld eigene Brutreviere auszukundschaften. Der gerichtete Abzug erfolgt erst zwei bis drei Wochen nach Verlassen der Neststandorte.

Gerd Bauschmann, Martin Hormann, Carsten Rohde

SUCHE

Der Schwarzstorch

Schwarzstorch P9 im Juli 2008, Vellmar (Foto Gerhard Müsch)
 

Termine

Alle Termine anzeigen

Birdnet

> Alle Ereignisse anzeigen

Faunanet

  • 24. Jul. 2017

    Gefleckte Weinbergschnecke in Bad Homburg

    Eine Gefleckte Weinbergschnecke (Cornu aspersum/ Helix aspersa/ Cantareus aspersu...

  • 15. Jul. 2017

    Laubholz-Säbelschrecke

    Hallo, diese beiden fand ich zufällig am 14.7. bei der Kopulation in einer ju...

  • 11. Jul. 2017

    Rehkitz

    Heute gegen 6.00 Uhr, in der Nähe von den Fischteichen bei Stammheim, trat diese...

> Alle Ereignisse anzeigen