Forschungsprojekte

Langzeituntersuchung an Bunt- und Mittelspecht

Fragestellungen

Buntspechte gehören zu den auffälligsten Vögeln unserer Wälder. Ihr kontrastreiches schwarz-weisses Gefieder mit den sich davon leuchtend abhebenden zinnoberroten Unterschwanzdecken machen sie optisch ebenso ansprechend wie auffällig; ihr lautes Trommeln ist auch Laien bekannt. Dass Spechte mit ihrem Schnabel ihre eigenen Brut- und Schlafhöhlen zimmern, aber auch die Gänge holzbewohnender Insekten freizulegen, die sie dann mit ihrer langen Zunge erbeuten, gehört zu Schulwissen.

Dass Spechte zu den intelligenteren Vogelarten gehören, oder dass bei Buntspechten überwiegend die Männchen brüten, wird aber wohl nur wenigen bekannt sein.

Vieles von der komplexen Lebensweise der Buntspechte verstehen wir heute immer noch nur in Ansätzen: Buntspechte sind ganzjährig territorial; aber welche Konkurrenz besteht zwischen den Geschlechtern, wie erfolgt die Revierbildung von Jungvögeln, welche zwischenartliche Konkurrenz besteht zwischen Bunt- und Mittelspecht,…?

Männliche Buntspechte sind gegenüber weiblichen dominant. Welche Auswirkungen hat dies z. B. auf die Nahrungskonkurrenz oder Lebenserwartung? Resultiert daraus ein Männerüberschuss?

Männliche Buntspechte übernehmen den größeren Teil beim Bau von Nisthöhlen, beim bebrüten der Eier und der Jungenversorgung. Wie ist die Arbeitsverteilung? Wie häufig kommt es vor, dass ein Weibchen im gleichen Jahr gestaffelt mit zwei Männchen eine Brut hat?

Es gibt bislang wenige Langzeituntersuchungen an Buntspechten. Wie hoch ist die Lebenserwartung? In welchem Alter brüten Buntspechte zum ersten Mal? Wie reviertreu sind Männchen und Weibchen? Welchen Einfluss hat die Winterfütterung?


Untersuchungen in Bad Homburg

Es gibt somit eine große Anzahl von spannenden Fragen um den Buntspecht. Deshalb wurde 2005 in Bad Homburg ein Programm zur Untersuchung der Biologie von Bunt- und Mittelspecht gestartet.

Im Rahmen des Programms werden die auf einer Untersuchungsfläche brütenden Bunt- und Mittelspechte mit Farbringen markiert. Alle Bruthöhlen werden gesucht, die Identität der an der Brut beteiligten Partner durch Farbringablesung festgestellt und der Brutverlauf wird beobachtet.

Die Untersuchungen finden in einem 42 ha großen Waldabschnitt in Bad Homburg statt. Zu Beginn der Untersuchungen wies dieses Waldstück einen ungewöhnlich hohen Anteil an alten, das im Wirtschaftswald übliche Alter überschreitende Bäumen auf. Durch Durchforstungs- und „Verkehrssicherungs“-maßnahmen sind viele Methusaleme, darunter auch Brutbäume der Spechte, in den letzten beiden Jahren verschwunden. Wie die Spechte darauf reagieren, bliebt zu beobachten.


Erste Ergebnisse

Rund 70 % der im Untersuchungsgebiet brütenden Spechte sind farbmarkiert. Von diesen Spechten liegen zahlreiche Ablesungen an Futterplätzen, während der Balzzeit und an den Bruthöhlen vor.

Der Brutbestand des Buntspechts liegt bei 7 bis 10 Paaren, der des Mittelspechts liegt bei 4 – 6 Paaren. In zwei Jahren gab es offensichtlich je einen Fall von Polyandrie beim Buntspecht, d.h. ein Weibchen brütete gleichzeitig, aber zeitlich gestaffelt mit zwei verschiedenen Männchen.

Viele Spechte können über mehrere Jahre beobachtet werden; die Lebenserwartung der Männchen scheint deutlich höher als die der Weibchen zu sein.

Neben alten Buchen, Eichen und Kirschen hat die Riesenthuya (Thuya plicata) eine besondere Bedeutung als Brutbaum des Buntspechtes.

Ausblick

Das Projekt wird rein ehrenamtlich betrieben. Es soll im Rahmen der Möglichkeiten als Langzeitvorhaben, evtl. auch in Zusammenarbeit mit anderen Ornithologen fortgeführt werden. Die Ausweitung der Fragestellungen und Methoden ist angedacht.

Der HGON Arbeitskreis Hochtaunus veranstaltet Führungen zu den Spechten des Untersuchungsgebiets. Termine sind dem HGON Veranstaltungskalender zu entnehmen.

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