Seltenheiten

Avifaunistische Kommission

Raufußbussard
Raufußbussard, Foto: Gelpke/green-lens.de

Das Auftreten von seltenen Vogelarten abseits ihrer regelmäßigen Brut-, Rast- oder Überwinterungsplätze zieht Beobachter immer wieder in ihren Bann. Aber auch Überwinterungen oder besonders frühe Rückkehrer aus den Winterquartieren finden großes Interesse. Solche Phänomene können wichtige Hinweise auf Veränderungen im Verhalten von Vogelarten liefern. Sie können aber auch schlichtweg auf eine Fehlbestimmung zurückgehen, weil es unter Umständen sehr ähnliche Arten gibt, die Beobachtungsbedingungen schlecht waren oder die Erfahrung mit den Seltenheiten fehlt. Um solche Beobachtungen zu bestätigen und zu dokumentieren, prüft und veröffentlicht die Avifaunistische Kommission in Hessen alle Beobachtungen bestimmter Vogelarten.

 

Neuer Kurzbericht der Avifaunistischen Kommission Hessen (AKH) erschienen

Mit einem wie immer herzlichen Dank an alle Melder gibt die Avifaunistische Kommission Hessen AKH den Quartalsbericht 4/2011 heraus. Durch das freundliche Entgegenkommen der Deutschen Avifaunistischen Kommission können wir hier die Ergebnisse der bundesweit relevanten Meldearten aus dem Jahr 2010 noch vor der Publikation des Jahresberichts der DAK darstellen, darunter Beobachtungen von Gänsegeier (11 Ind.), Gleitaar (zwei Nachweise, die sich möglicherweise auf den selben Vogel beziehen), Steppenweihe, Steppenkiebitz, Sichler, Rallenreiher (ein Trupp von drei Tieren als bislang wohl größte Gruppe im Bundesgebiet), Zwergsumpfhuhn (mehrer Daten aus FB und GG), zwei Graubrust-Strandläufern, Aschkopf- und „superciliaris“-Schafstelze sowie Rötelschwalbe (jeweils ein Ind., wenn nicht anders aufgeführt). Aus dem Jahr 2011 wurde je ein Grasläufer, Mittelmeer-Steinschmätzer und Bindenkreuzschnabel an die DAK weitergeleitet und eine Steppenweihe schon anerkannt.
 
Auch aus Landessicht sind mit bis zu drei überwinternden Zwerggänsen, dem überdurchschnittlichen Auftreten von Mornellregenpfeifer und Seidenreiher im Herbst 2011, je einem Thorshühnchen und Spornpieper sowie zwei Brandseeschwalben u.v.a. zahlreiche interessante Beobachtungen enthalten.
 
Nachmeldungen zu diesen und auch weiter zurückliegenden Zeiträumen sind übrigens immer erwünscht. Derzeit befindet sich eine Auswertung über die seit Gründung der AKH 1999 bearbeiteten Beobachtungen seltener Vogelarten in Arbeit, für die wir herzlich um eine zeitnahe Meldung von ggf. noch ausstehenden, älteren Meldungen bitten.
 
Mit den besten Wünschen für einen beobachtungsreichen Hochsommer und Herbst

Stefan Stübing & Jan Heckmann


AK Hessen: M. Fehlow, M. Fichtler, H. Haag, Prof. Dr. W. Hausmann, J. Heckmann, S. Stübing (Koordinator) und Dr. A. Zedler


Neue Meldeliste der Avifaunistischen Kommission Hessen (AKH)

Die Änderungen in der bundesweit gültigen Meldeliste, die beim Übergang von der Deutschen Seltenheitenkommission zur Deutschen Avifaunistischen Kommission (DAK) im letzten Jahr vorgenommen wurden, hat die AKH zum Anlass genommen, ihrerseits die hessische Meldeliste zu überarbeiten. Diese Überarbeitung orientierte sich an den in den zurückliegenden Jahren gesammelten Ergebnissen, Entwicklungen und Erfahrungen. Die neue, ab dem 01. Januar 2012 gültige Meldeliste in Excel finden Sie hier.

So wurden deutlich zunehmende oder vermehrt nachgewiesene Arten, die inzwischen nicht mehr als „Seltenheiten“ zu bezeichnen sind, von der Liste gestrichen. Dies gilt z. B. für Löffler, Stelzenläufer, Mornellregenpfeifer, Rotfußfalke, Prachtkleidvögel von Weißbart- und Weißflügel-Seeschwalbe oder Bienenfresser. Auch die Zahl von Möwenkennern hat deutlich zugenommen und es konnte durch die zahlreichen gut dokumentierten Großmöwen-Nachweise gezeigt werden, dass allen Arten ein charakteristisches Auftreten im Jahresverlauf eigen ist. Mittelmeer- und Heringsmöwe wurden daher von der Liste gestrichen, Meldungen von Silber- und Steppenmöwe räumlich stark eingeschränkt. Auch manche nach wie vor seltene Art wurde von der Liste genommen, weil in der Vergangenheit kaum eine Meldung als unzureichend dokumentiert eingestuft werden mussten. Dies gilt z. B. für Raub- und Zwergseeschwalbe oder Karmingimpel. Gleichzeitig wurden diejenigen Arten aufgenommen, die von der deutschen Meldeliste gestrichen wurden (Graubrust-Strandläufer, Spornpieper, Gelbbrauen-Laubsänger etc.).

Zur besseren Übersicht ist die Liste nun in die eigentliche Meldeliste, Angaben zu jahreszeitlich ungewöhnlichen Beobachtungen und sehr seltene bzw. neu zu erwartende Brutvögel unterteilt. Während für die zeitlich ungewöhnlichen Extremdaten sowie die seltenen Brutvögel eine formlose Kurzbeschreibung z. B. als Mailtext ausreicht, bitten wir bei Beobachtungen von Arten der Meldeliste wie bisher üblich um eine Dokumentation auf dem bekannten Meldebogen. Besonders die Liste der jahreszeitlich ungewöhnlichen Beobachtungen ist auch als Hilfestellung für Einsteiger gedacht, die auf den ersten Blick eine Einschätzung ermöglicht, ob man es mit einer ungewöhnlichen Beobachtung zu tun hat oder nicht. In diesem Sinne sind auch die ergänzenden Bemerkungen und Hinweise auf häufiger vorgekommene oder naheliegende Verwechslungen zu sehen.

Sobald die letzten Beobachtungen aus dem Jahr 2011 eingegangen sind, werden die seit Bestehen der AKH im Jahr 1998 bearbeiteten weit über 1.500 Meldungen übersichtlich, zusammenfassend und reich bebildert ausgewertet. Um diese Darstellungen der seltenen Vogelarten in Hessen so vollständig wie möglich werden zu lassen, sind Nachmeldungen aus dem Zeitraum ab 1998 sehr willkommen.

Eine solche umfassende Auswertung wäre, wie überhaupt das hohe Niveau im Umgang mit seltenen Vogelarten in Hessen, ohne die vorbildliche und engagierte Mitarbeit der inzwischen mehr als 200 Vogelbeobachtern, die ihre Beobachtungen seltener Vögel detailliert dokumentiert haben, nicht möglich. Ihnen allen gilt auch an dieser Stelle ein großes und herzliches Dankeschön.


 

Hessische Meldungen im Bericht der Deutschen Seltenheitenkommission (DSK) für die Jahre 2006 bis 2008

Stand: 31.05.2010
Vor wenigen Wochen ist der aktuelle Bericht der Deutschen Seltenheitenkommission (DSK) in Limicola 4/2009 erschienen. Er umfasst die Jahre 2006 bis 2008 und enthält auch zahlreiche Meldungen aus Hessen, was wir zum Anlass genommen haben, die Daten separat zusammenzustellen und in Form eines Sonderberichts auch denen zugänglich zu machen, die Limicola nicht beziehen.

Mit u.a. hessischen Erstnachweisen von Schelladler, Gelbbrauen-Laubsänger, Weißbart-Grasmücke, Pallasschwarzkehlchen und Waldammer sowie 2 Sichlern, 3 Rallenreihern, 2 Gänsegeiern, 1-2 Steppenkiebitzen, 4 Eistauchern sowie je einem Zwergsumpfhuhn, Triel, Rotflügel-Brachschwalbe, Würgfalken und einer artlich nicht sicher zuzuordnenden Orpheusgrasmücke haben diese drei Jahre wieder einmal gezeigt, wie spannend die Beschäftigung mit seltenen Vogelarten auch in unserem Bundesland ist.

Ein herzliches Dankeschön gilt an dieser Stelle wie immer all denen, die durch die Dokumentation ihrer oft vorbildlich mit Fotos oder Zeichnungen sowie vielen Mitbeobachtern belegten Daten diese Zusammenstellung erst ermöglicht haben.

Viel Spaß bei der Durchsicht des Berichts wünscht die AK Hessen:
Prof. Dr. K.-H. Berck, M. Fehlow, M. Fichtler, H. Haag, Prof. Dr. W. Hausmann, J. Heckmann, S. Stübing (Koordinator) und Dr. A. Zedler Sonderbericht AKH ...

Der komplette Bericht der Deutschen Seltensheitskommission aus den Jahren 2006 – 2008 sowie der vorigen Jahre ist unter www.limicola.de erhältlich.

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Kontakt

Jan Heckmann
Talblick 46
35767 Breitscheid-Erdbach
Tel. 02777-912042
E-Mail: Avikh(at)hgon.de

Koordination

Stefan Stübing
Am Eichwald 27
61231 Bad Nauheim
stefan.stuebing(at)hgon.de

 

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