Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V.

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Fischotter zurück an der Kinzig

An der Kinzig ist ein stiller Rückkehrer aufgetaucht: der Fischotter. Nachdem er seit Mitte des 20. Jahrhunderts in Hessen als ausgestorben galt, kehrt er seit 2013 langsam in seine ursprünglichen Lebensräume zurück. Aktuelle Funde der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V. belegen nun auch seine Anwesenheit an der Kinzig. Für Naturschützer*innen ist das mehr als nur eine erfreuliche Nachricht. Seine Rückkehr gilt als Hinweis darauf, dass sich die Lebensbedingungen entlang unserer hessischen Gewässer in den vergangenen Jahren weiter verbessert haben. Gleichzeitig werfen die neuen Nachweise Fragen auf: Wie stabil ist die Rückkehr des scheuen Jägers, und wird er sich dauerhaft an der Kinzig etablieren können?

Zwischen Hoffnung und Seltenheit: Der Otter in Hessen

„Aktuell gehen wir von lediglich 20 bis 30 Fischottern in Hessen aus – noch sind wir auf Zuwanderung aus den Nachbarbundesländern angewiesen“, berichtet Inga Hundertmark, Vorsitzende der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V. Die Biologin beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Ausbreitung des Fischotters in Hessen und arbeitet dabei eng mit dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) zusammen. Die Schwerpunkte der Fischottervorkommen in Hessen liegen vor allem in Nordosthessen entlang von Flüssen wie Eder, Schwalm und Fulda. Die Region ist zugleich Teil des bundesweiten Projektes „Deutschland wieder Otterland“, in dem sich auch die HGON engagiert. Aber auch in der Wetterau sowie in Teilen der Landkreise Marburg-Biedenkopf und Gießen ist der Fischotter mittlerweile wieder zu Hause. Im Main-Kinzig-Kreis zählten die Nachweise an Sinn und Jossa zu den ersten belegten Revieren in Hessen, die Kinzig hingegen galt lange als unbesiedelt. „In der Vergangenheit gab es bereits vereinzelte Hinweise, doch dabei handelte es sich vermutlich um durchwandernde Tiere“, so Hundertmark. Umso bemerkenswerter sind die aktuellen Funde, die nun zeigen: Der Fischotter hat den Fluss zumindest vorübergehend für sich entdeckt.

Auf Spurensuche unter Brücken

Den Fischotter selbst bekommt man nur selten zu Gesicht. Die Tiere sind nachtaktiv, scheu und meiden den Menschen. Stattdessen verraten sie ihre Anwesenheit durch verschiedene Spuren. „Fischotter nutzen Kot gezielt zur Kommunikation mit Artgenossen“, erklärt Hundertmark. Diese sogenannten Losungen werden bevorzugt an markanten Stellen abgelegt, etwa unter Brücken oder auf Steinen am Ufer.
Genau dort suchen Biologin Inga Hundertmark ebenso wie ehrenamtliche Kartierer*innen nach Hinweisen. Neben Losungen achten sie auch auf Trittsiegel und sammeln Proben für genetische Analysen, um mehr über die Tiere zu erfahren. So lässt sich nachvollziehen, ob es sich um einzelne Durchwanderer handelt oder ob sich bereits eine feste Population etabliert und woher die Tiere stammen.

Die zahlreichen aktuellen Nachweise entlang der Kinzig zeigen: Mindestens ein Fischotter hält sich derzeit im Gebiet auf. Doch ob er gekommen ist, um zu bleiben, ist noch ungewiss. Erst wiederholte Funde über einen längeren Zeitraum können bestätigen, dass sich hier ein dauerhaftes Revier entwickelt.
Bis dahin bleibt vor allem die Hoffnung, dass der lautlose Rückkehrer bleibt und die Kinzig wieder dauerhaft zu seinem Lebensraum wird.

Mehr Informationen zum Fischotter sowie zum Bundesprojekt "Deutschland wieder Otterland" unter:
Fischotter in Hessen