Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V.

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Citizen Science – Beobachten für die Wissenschaft

Finnische Studie wertet Daten des Portals Tiira zu Vogelbeobachtungen aus und vergleicht diese mit Beringungsdaten.

Hier geht es zur Publikation in PLOS ONE: Challenges and benefits of using unstructured citizen science data to estimate seasonal timing of bird migration across large scales.

Durch Online-Beobachtungsportale sind von interessierten und vorgebildeten Laiinnen und Laien in den vergangenen Jahren enorme Datenmengen zusammengetragen worden. Da diese leicht abrufbar sind und quasi in Echtzeit zur Verfügung stehen, gelangt diese Form von Daten zunehmend auch in den Blick von Wissenschaftler*innen weltweit. Jeder mit grundlegender Artenkenntnis von einer oder mehreren Artengruppen kann so zur Beantwortung wissenschaftlicher Fragestellungen beitragen. Dieser als „Citizen Science“ bezeichnete Prozess hat unser Verständnis über das Auftreten von Arten bereits revolutioniert und zu gezielten Schutzmaßnahmen beitragen können. Insbesondere Vögel stehen dabei im Zentrum des Interesses von ambitionierten Laiinnen und Laien, die mitunter einen beträchtlichen Aufwand betreiben, um Daten auf der ganzen Welt zusammen zu tragen. Aufgrund der inkonsistenten Erfassung und unterschiedlichen Datenstruktur, stellt sich das Auswerten solcher Daten in einem wissenschaftlichen Kontext jedoch oft als schwierig heraus. Vielleicht beginnen wir jedoch auch gerade erst, den genauen Wert solcher Daten zu erkennen, wie eine neue Studie finnischer Forscher*innen zeigt, die kürzlich im Journal PLOS ONE veröffentlicht wurde.

Im Gegensatz zu Checklisten-basierten Datenbanken wie eBird umfassen viele europäische Portale überwiegend zufällige Einzelbeobachtungen. Auf den ersten Blick bieten solche Daten ein weniger vollständiges Bild über das Auftreten, insbesondere von häufigen und weniger attraktiven Arten. Dennoch ist es möglich, aus solchen riesigen Datenschätzen (allein ornitho.de/.lu umfasst bereits mehr als 52 Millionen Einzelbeobachtungen) wertvolle Informationen über den zeitlichen Ablauf des Vogelzugs zu erlangen. Die Wissenschaftler*innen werteten Daten des finnische Portals Tiira aus den Jahren 2010-2019 aus und bildeten die Nord-Süd-Phänologie 115 häufiger Zugvogelarten ab. Ihre Ergebnisse verglichen sie mit 40 Jahren standardisiert erhobenen Beringungsdaten der im Südwesten von Finnland gelegenen Insel Hanko und fanden für fast alle Arten eine sehr gute Übereinstimmung. Der Vorteil: im Gegensatz zu lokalen Langzeiterfassungen bieten Daten aus Portalen wie Tiira oder ornitho.de eine flächenhafte Datenbasis und sind somit dazu geeignet, mit relativ geringem Aufwand Aussagen über großräumiges Zuggeschehen bei einzelnen Arten zu ermöglichen. Allerdings variiert die Beobachtungsaktivität beispielsweise über das Jahr und mit dem Wetter, sodass ein gutes feldornithologisches Verständnis und das Wissen um den zeitlichen Ablauf von Erfassungsprogrammen sowie der lokalen Verhaltensweisen von Beobachter*innen vonnöten ist. Bei heimlichen oder schnell und nachts ziehenden Arten, die schwierig zu beobachten sind, ist die Methode nur eingeschränkt anwendbar. Sind jedoch Referenzdaten vorhanden, können bereits >100 Beobachtungen pro Jahr ausreichen, um das zeitliche Zuggeschehen einzelner Arten widerzuspiegeln.

Noch detailliertere Einblicke in das Auftreten bestimmter Arten ermöglichen Beobachtungen, die über eine Beobachtungslisten-Funktion übermittelt werden, wie sie auch bei ornitho.de zur Verfügung steht. Diese kombiniert Informationen über Präsenz und Absenz von Arten mit Individuenzahlen, womit noch genauerer Aussagen über den zeitlichen Ablauf und die Intensität des Zuggeschehens möglich werden. Machen Sie also mit und füllen Sie Beobachtungslisten (idealerweise mit Individuenzahlen!) aus, so oft Sie können!

Gastbeitrag: Georg Rüppel

 

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