Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V.

Entdecken Das Grüne Band Hessen steht vor einer räumlichen und inhaltlichen Aushöhlung

Presse  Lebensräume 

Das Grüne Band Hessen steht vor einer räumlichen und inhaltlichen Aushöhlung

Hintergrund
Das Grüne Band folgt dem ehemaligen Verlauf der innerdeutschen Grenze und erinnert an die Teilung Deutschlands. Gleichzeitig ist es einer der bedeutendsten ökologischen Korridore für den nationalen Biotopverbund, der seltenen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bietet. Symbolisch steht das Grüne Band für Frieden, Freiheit und den positiven Wandel von einem Ort der Trennung zu einem Gebiet mit hohem Naturschutzwert. Das Grüne Band ist also Erinnerungslandschaft und gleichzeitig ein ökologischer Schatz – ein Stück Natur, das aus der deutschen Geschichte gewachsen ist.
Die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V. (HGON) kritisiert den vorliegenden Entwurf für eine neue gesetzliche Grundlage des Nationalen Naturmonuments „Grünes Band Hessen“, denn die hessische Landesregierung verfolgt hiermit eine räumliche wie inhaltliche Aushöhlung des seit 2023 bestehenden Schutzgebiets an der hessisch-thüringischen Landesgrenze.

Zukünftig wohl nicht mehr als ein Strich in der Landschaft
Nach dem Vorhaben der hessischen Landesregierung soll das „Grüne Band Hessen“, obwohl es erst vor zwei Jahren als besonderes Schutzgebiet ausgewiesen wurde, zu nicht mehr als einem Strich in der Landschaft verkleinert werden. „Die HGON kritisiert ausdrücklich, dass die Landesregierung bereits nach so kurzer Zeit dieses wertvolle Schutzgebiet räumlich neu fassen will.“, so Inga Hundertmark, Vorsitzende der HGON. Das Grüne Band besitzt auch in Hessen eine herausragende Bedeutung für den nationalen Biotopverbund und die regionale Vernetzung von Lebensräumen für Wildkatze oder Fischotter. „Die im Jahr 2023 etablierte Gebietskulisse des Grünen Bands in Hessen leistet dies vorbildhaft, weil nicht nur der ehemalige Grenzstreifen, sondern zu diesem auch noch angrenzende Bereiche geschützt werden und hiermit eine Quervernetzung in die Normallandschaft erreicht wird.“, ergänzt Inga Hundertmark. In Abschnitten des Grünen Bands, wo zukünftig nur noch die sogenannte Förderzone bestehen soll, wird das Grüne Band Hessen nur noch maximal 100 m breit sein. Viel zu wenig, um zwischen verbliebenen Bereichen der Schutz- und Entwicklungszone eine wirkungsvolle Verbindung aufzubauen.

Ohne Schutzbestimmungen wird das Grüne Band Hessen zu einem Schutzgebiet nur auf dem Papier
Mit der geplanten Verkleinerung des Gebiets sollen gleichzeitig auch fast alle Schutzbestimmungen aufgehoben werden und Maßnahmen, die zur Erreichung des Schutzzweck des Gebietes dienen, zukünftig auch nur noch auf freiwilliger Basis durch vertragliche Vereinbarungen umgesetzt werden. „Das ist eindeutig zu wenig, denn ohne Vorgaben, in denen Ziele und Maßnahmen für das Gebiet definiert werden, besteht keine Gestaltungsspielraum für eine effektive Umsetzung der Gebietsziele.“, ergänzt Nils Stanik, Vorsitzender der HGON. Das Grüne Band Hessen würde somit nur zu einem Schutzgebiet auf dem Papier verkommen. Von guten Schutzvorgaben im Gesetz hängt auch ein funktionierendes Gebietsmanagement ab, welches derzeit beispielsweise im Werra-Meißner-Kreis und im Landkreis Hersfeld-Rotenburg über Stellen beim Geo-Naturpark bzw. Landschaftspflegeverband geleitet wird. Auch diese Stellen sind mit der Neustrukturierung auf der Kippe, obwohl es vielmehr einer Aufstockung bedürfe.

Das Grüne Band Hessen muss Erinnerungs- und Naturschutzlandschaft gleichermaßen bleiben
Nicht nur aus Gründen des Naturschutzes, sondern auch als kulturhistorisch bedeutende Erinnerungslandschaft ist das Grüne Band wichtig. „Wenn nun große Teile nicht mehr Bestandteil des Nationalen Naturmonuments Grünes Band Hessen sind und dessen Verlauf durch zahlreiche Lücken unterbrochen ist, kann nicht mehr von einem lebendigen Zeugnis der deutschen Teilung und Wiedervereinigung gesprochen werden.“, sagt HGON-Vorsitzender Stanik. Außerdem hindert dieses Vorgehen die Initiative von Verbänden und Institutionen, das Grüne Band Deutschland als ein kombiniertes Weltnatur- und Weltkulturerbe bei der UNESCO vorzuschlagen, was die höchste Auszeichnung für diese bedeutende Landschaft wäre.
Die geplante Aushöhlung des Schutzes des Grünen Bands Hessen ist somit nach Ansicht der HGON ein großer Rückschritt des Landes Hessen auf dem Weg zu mehr Schutz wertvoller Lebensräume entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze.

Kontakt

Für Rückfragen auf Landesebene:

  • Dr. Nils Stanik – Vorsitzender
    info(at)hgon.de / 06008 1803
    www.hgon.de


Für Rückfragen in den Landkreisen:

  • Werra-Meißner-Kreis
    Jörg Friederich – HGON-Arbeitskreis Werra-Meißner
    joerg.friederich(at)hgon.de
     
  • Landkreis Hersfeld-Rotenburg
    Karl-Heinz Humburg – HGON-Arbeitskreis Hersfeld-Rotenburg
    karl.humburg(at)hgon.de
     
  • Landkreis Fulda
    Georg Klaus – HGON-Arbeitskreis Fulda
    georg.klaus(at)hgon.de