Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V.

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Die Libelle des Jahres 2023 kann uns anregen, die Natur zu beobachten

Die Alpen-Smaragdlibelle ist Libelle des Jahres 2023. Eine gute Wahl – findet Joachim Hustedt vom Arbeitskreis Libellen in Hessen. Warum?

Obwohl ich mich für Libellen interessiere und seit Jahren im Gelände beobachte, habe ich noch nie eine Alpen-Smaragdlibelle gesehen. Das liegt zum einen daran, dass sie sehr selten ist. Wie der Name andeutet, lebt sie in höheren Lagen, wo es anderen Libellen zu kalt ist. In Deutschland findet man sie nur in den Alpen, im Bayerischem Wald, Fichtelgebirge, Erzgebirge, Vogtland, Thüringer Wald, Schwarzwald und Harz. In Hessen wurde sie noch nie nachgewiesen.

Dass sie in Deutschland auf der Roten Liste als "vom Aussterben bedroht" steht, liegt auch am Klimawandel. Erwärmt sich das Klima, hat die Alpen-Smaragdlibelle wenige Möglichkeiten, sich in kältere Regionen zurückzuziehen.

Selten und unscheinbar

Die Alpen-Smaragdlibelle gehört zur Familie der Falkenlibellen, was spektakulärer klingt, als sie aussieht. Sie misst circa 5 cm in der Länge, ist also mittelgroß für eine Libelle. Ihr Körper ist dunkel, fast schwarz. Im Kontrast dazu fallen die grünen Augen auf. Auf den zweiten, scharfen Blick erkennen wir einen grünlichen Schimmer, insbesondere vorn an den "Schultern" - dem Pronotum - und einen leicht kupferfarbenen Glanz am ganzen Körper. Damit ähnelt die Alpen-Smaragdlibelle sehr stark den anderen drei bei uns lebenden Mitgliedern der Familie der Falkenlibellen. Wir müssten schon ein Exemplar fangen – was selbstverständlich nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Naturschutzbehörden erlaubt wäre – und genau ihre Flügeladerung und die äußeren Geschlechtsteile untersuchen, um eine Alpen-Smaragdlibelle von einer anderen Art wie der häufigen Glänzenden Smaragdlibelle zu unterscheiden.

Und das ist der Grund, warum mir die Wahl der Alpen-Smaragdlibelle zur Libelle des Jahres gefällt. Es sind immer weniger Menschen, die sich für solche Feinheiten interessieren, die bereit sind, sich in die Artenkenntnis einzuarbeiten.

Die Taxonomie, die Lehre vom System der Arten, hat keinen mitreißenden Ruf. Sie gilt als verstaubt und langweilig, ein Relikt aus Zeiten, in denen die Biolog*innen Pflanzen und Tiere nur beschreiben konnten. Doch die Taxonomie legt das Fundament für das, was in anderen Teildisziplinen der Biologie erforscht wird: die Entstehung und Entwicklung von Arten in gegenseitiger Abhängigkeit von anderen Lebewesen und von der Umwelt, das Zusammenleben der Lebewesen in bestimmten Lebensräumen und auf dem gesamten Planeten und die physiologischen und molekularbiologischen Grundlagen, die bestimmte Lebensformen ausmachen.

Wie soll der Erfolg – oder Misserfolg – der am 19. Dezember 2022 auf der UN-Artenschutzkonferenz in Montreal beschlossenen Maßnahmen überprüft werden, wenn niemand die Lebewesen voneinander unterscheiden kann?

2023 wird unser Naturbeobachtungsjahr

Die Alpen-Smaragdlibelle als Libelle des Jahres 2023 kann uns dazu ermuntern, uns im neuen Jahr mehr Zeit zu nehmen, die belebte Natur um uns herum genauer zu anzuschauen.

Die Libellen machen es uns leicht: Auf Grund ihrer Biologie finden wir sie meist an Bächen, Flüssen, Teichen und Seen. Genau wie wir sind sie am liebsten dann draußen unterwegs, wenn es hell, warm und trocken ist. Sie sind groß genug, um ohne Lupe gesehen zu werden. Viele von ihnen sind sogar auffällig gefärbt – auffälliger als die Alpen-Smaragdlibelle. In Deutschland finden wir nur ein paar Dutzend Arten – kein Vergleich zu den Hunderten von Wildbienen- und -wespenarten hier zu Lande, die meist klein und schwer zu unterscheiden sind. Erfolgserlebnisse bei der Libellenbestimmung sind also beinahe garantiert.

Lasst uns 2023 zu unserem Libellenjahr machen!

Einfache Fragen beantwortet Euch der Autor gern. Für die schwierigeren gibt es Experten, beispielsweise im Arbeitskreis Libellen in Hessen, dessen Homepage gerade erneuert wird.

Joachim Hustedt

Weiterführende Links

Meldung zur Libelle des Jahres auf bund.net

Einigung in Montreal (exemplarisch ein Artikel in der Frankfurter Rundschau vom 19.12.2022)

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