Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V.

Rebhuhn - Jan Piecha

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Vögel  Rebhuhn 

Rebhuhn-Monitoring 2026

Die diesjährige Rebhuhn-Kartierung liefert einen Grund zur Freude: Nach den Rückgängen im vergangenen Jahr konnten die Bestände vielerorts wieder zulegen. Besonders erfreulich entwickelt sich unser Projektgebiet Gießener Land und Wetterau, das erneut die höchste Rebhuhndichte aller Projektgebiete im Bundesprogramm „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ aufweist.

Mit einer Dichte von 4,76 Rufnachweisen pro 100 ha Agrarfläche wurde der bereits hohe Durchschnitt der Jahre 2023 bis 2025 (4,62) noch einmal übertroffen. Auch hessenweit verlief die Kartierung erfolgreich. Im Rahmen des Monitorings seltener Brutvogelarten (MsB) wurden insgesamt 701 Rufnachweise dokumentiert, was einer Dichte von 2,53 Rufnachweisen pro 100 ha Agrarfläche entspricht. Damit liegt Hessen über der bundesweiten durchschnittlichen Dichte von 2,09 Rufnachweisen pro 100 ha Agrarfläche. Die Auswertungen zeigen über den gesamten fünfjährigen Monitoringzeitraum einen positiven Bestandstrend innerhalb der Projektgebiete. Im Gegensatz dazu bleiben die Bestände außerhalb der Projektkulissen im deutschlandweiten Monitoring seltener Brutvögel (MsB) weitgehend stabil. Dieser Vergleich macht deutlich, dass gezielte Schutzmaßnahmen einen messbaren Unterschied bewirken.

Schutzmaßnahmen zahlen sich aus

Die positiven Entwicklungen kommen nicht von ungefähr. Gemeinsam mit den Projektpartnern – dem Regierungspräsidium Gießen, dem Amt für den ländlichen Raum (ALR) Wetzlar und dem Wetteraukreis – wurden innerhalb der Projektkulisse „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, um die Lebensbedingungen für das Rebhuhn nachhaltig zu verbessern. Die sogenannten Rebhuhn-Brutplatzkomplexe, strukturreiche Blühflächen mit angrenzenden offenen Bodenbereichen, bieten den Hennen geeignete Brutplätze, den Küken ein reiches Angebot an Insekten und Schutz vor Witterung und Prädatoren. Ergänzt werden diese Lebensraummaßnahmen durch ein gezieltes Prädatorenmanagement. Ein wichtiger Meilenstein für den Rebhuhnschutz ist die Verlängerung der Feldflurprojekte bis zum Jahr 2031. Dadurch können die begonnenen Maßnahmen langfristig fortgeführt und gemeinsam mit den beteiligten Landwirtinnen und Landwirten weiterentwickelt werden. Die Projektverlängerung schafft die notwendige Planungssicherheit, um auch in den kommenden Jahren strukturreiche Lebensräume anzulegen, bestehende Maßnahmen zu erhalten und den positiven Bestandstrend weiter zu unterstützen.

Balz-Hotspots

Besonders beeindruckend waren in diesem Frühjahr die hohen Nachweiszahlen bei Gießen. In den Feldfluren von Langgöns, Pohlheim, Leihgestern und Lützellinden konnten außergewöhnlich viele balzende Rebhähne festgestellt werden. Die zahlreichen rufenden Hähne sorgten bei den Kartiererinnen und Kartierern und auch bei unserer alljährlichen Rebhuhn-Exkursion Ende Februar für Begeisterung.

Auch in der Wetterau bestätigten sich die bekannten Schwerpunktgebiete erneut. Rund um das Naturschutzgebiet Teufelsee und Pfaffensee sowie nördlich von Ober-Mörlen konnten – wie bereits in den vergangenen Jahren – hohe Rebhuhndichten nachgewiesen werden.

Wie werden die Rebhühner erfasst?

Die Rebhuhnkartierung erfolgt nach einem bundesweit einheitlichen Standard. Während der Balzzeit werden in der Abenddämmerung festgelegte Zählrouten begangen. Eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang werden in regelmäßigen Abständen Balzrufe eines Rebhahns über einen Lautsprecher abgespielt. Anwesende Hähne antworten dann auf diese Klangattrappe und können dadurch lokalisiert werden. Die Beobachtungen werden direkt digital erfasst und anschließend zentral ausgewertet. Diese standardisierte Methode bildet seit Jahren die Grundlage für das bundesweite Monitoring. Doch wie zuverlässig ist diese Methode?

Wärmebildkamera bestätigt die Aussagekraft der Kartiermethode

In diesem Jahr wurde die etablierte Erfassungsmethode zusätzlich wissenschaftlich überprüft. In Kooperation mit der Universität Göttingen wurde untersucht, wie gut die klassische Kartierung mittels Klangattrappe die tatsächliche Anzahl an Rebhühnern widerspiegelt. Dazu wurden ausgewählte Transekte (Zählrouten) innerhalb der Feldflurprojekt Kulisse „Gießen Süd“ parallel mit Wärmebildkameras abgesucht.

Zunächst zeigte sich erwartungsgemäß, dass mit der Wärmebildtechnik insgesamt mehr Rebhühner entdeckt wurden, da dabei auch Hennen und nicht rufende Individuen sichtbar werden. Im Untersuchungsgebiet Gießen wurden 166 Rebhühner mit der Klangattrappe und 217 Rebhühner mit der Wärmebildkamera erfasst. Für das Monitoring entscheidend ist jedoch die Zahl der Rebhähne. Nach Abzug der zusätzlich beobachteten Hennen ergaben sich im Raum Gießen 134 erfasste Rebhähne mit der Klangattrappe gegenüber 113 Rebhähnen mittels Wärmebildkamera. Über den gesamten Untersuchungszeitraum konnte kein signifikanter Unterschied zwischen beiden Methoden festgestellt werden. Das Ergebnis bestätigt, dass die standardisierte Kartierung mit Klangattrappe gut geeignet ist, einen zuverlässigen Eindruck von der Anzahl der Rebhähne in einem Gebiet zu gewinnen. 

Vielen Dank für die großartige Unterstützung!

Das Monitoring wäre ohne das Engagement zahlreicher Ehrenamtlicher nicht möglich. Daher möchten wir uns an dieser Stelle nochmal bei allen Kartiererinnen und Kartierern, die mit ihrem Einsatz zum Gelingen der Rebhuhnkartierung beigetragen haben, bedanken.

Nun hoffen wir auf eine erfolgreiche Brutsaison. Wenn jetzt im Spätsommer und Herbst die Rebhuhn-Familien – die sogenannten Ketten – durch die Feldflur ziehen, freuen wir uns über jede Beobachtungsmeldung, am besten mit Alterszusammensetzung. Solche Nachweise liefern wertvolle Informationen über den Bruterfolg und helfen uns dabei, die Entwicklung der Bestände auch in Zukunft genau zu verfolgen. Weitere Infos zur Kettenzählung finden Sie unter: https://www.rebhuhn-retten.de/wissenswertes/kettenzaehlung.

Gemeinsam können wir dazu beitragen, dass das Rebhuhn in unserer Agrarlandschaft wieder eine Zukunft hat.

Förderung

Das Projekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) gefördert. Im Projektgebiet „Gießener Land und Wetterau“ erhält die HGON e. V. zusätzlich Fördermittel des Hessischen Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat (HMLU).