Viel los im Bingenheimer Ried
Das Naturschutzgebiet Bingenheimer Ried ist als bedeutendes Feuchtgebiet ein wichtiges Durchzugs- und Rastgebiet für Zugvögel und Wintergäste und gilt als Herzstück des Auenverbund Wetterau. Es beheimatet bei uns seltene Brutvögel, wie Kiebitz, Bekassine oder Spießente. Auch für andere Tiere, wie Amphibien oder Libellen, stellt das Ried einen besonders geeigneten Lebensraum dar.
Mehrere Hektar des 85 ha großen Schutzgebietes befinden sich im Besitz der HGON, welche hier jährlich Erfassungen der Vogelwelt sowie von Amphibien und Libellen durchführt und gemeinsam mit den Behörden und dem Forstamt an Pflegekonzepten arbeitet.
Seit dem Frühjahr 2022 wird das Gebiet durch einen festen Elektrozaun geschützt, um Bodenprädatoren fernzuhalten. Seither ist ein Anstieg der Brutpopulationen von Kiebitz, Löffelente und Co. zu beobachten.
Ein paar ausgewählte Highlights aus diesem Jahr möchten wir hier vorstellen:
- Löffelente
Die Löffelente ist der Wappenvogel des Gebietes. Zwischen 2007 und 2018 gab es keinen Bruterfolg mehr im Bingenheimer Ried und Umgebung. Im ersten Jahr mit Elektrozaun führten bereits 24 Brutpaare Jungtiere. In 2025 finden sich bereits rund 40 Brutpaare dieser vom Aussterben bedrohten Entenart im Gebiet! - Spießente
Aktuell finden sich 2 Brutpaare der seltenen Spießente im Bingenheimer Ried. Das Gebiet ist der einzige Brutplatz in der Südhälfte von Deutschland. Der deutschlandweite Bestand besteht aus maximal 15 bis 20 Paaren, die sonst alle in Norddeutschland brüten. - Bekassine
12 Reviere der Bekassine finden sich im Gebiet. Dies stellt ein Viertel des hessischen Bestandes dar! Aktuell kann man in der Abenddämmerung das typische “Meckern” oder “Wummern” hören, das bei den Balzflügen der Männchen entsteht. Der "Fahrtwind" im Sturzflug bringt dabei die äußeren Schwanzfedern zum Vibrieren. - Lachmöwe
In 2023 hat sich eine Kolonie Lachmöwen im Bingenheimer Ried etabliert. Der Brutbestand ist von anfangs 15 Paaren auf rund 50 Paare in 2025 angestiegen. Die Lachmöwe ist in manchen Bundesländern häufig, in Hessen jedoch sehr selten: neben dem Bingenheimer Ried gibt es nur noch eine weitere Kolonie im NSG Rhäden von Obersuhl. - Kiebitz
Aktuell befinden sich etwa 200 Weibchen im Bingenheimer Ried. Das stellt knapp die Hälfte des hessischen Brutbestandes dar! Vor dem Zaunbau wurden dort nur zwölf Reviere gezählt, kaum Nachwuchs wurde flügge. Die Kiebitzkolonie wehrt Fressfeinde aus der Luft ab und schützt so auch andere Brutvögel im Gebiet. - Weitere Highlights
Insgesamt brüten 8 Entenarten im Gebiet. Neben Löffel- und Spießente sowie der häufigen Stockente sind das noch: Schnatter-, Knäk-, Krick-, Tafel- und Reiherente. Damit ist das Bingenheimer Ried bundesweit fast einmalig!
Auch für viele Singvögel hat das Gebiet eine große Bedeutung: Blaukehlchen, Teichrohrsänger, Rohrammer, Wiesenschafstelze, Feldlerche und sogar der in Hessen äußerst seltene Schilfrohrsänger brüten hier. Im April wurden hier 25 Schwarzkopfmöwen beobachtet, einer der größten Trupps, die je in Hessen gesehen wurden. Auch mehr als 20 Raubseeschwalben haben in 2025 im Gebiet gerastet.
Im April hat eine Maskenstelze, die eigentlich am Balkan vorkommt, hat das Gebiet besucht. Beim Birdrace am 3. Mai gab es insgesamt 5 Rotkehlpieper zu sehen! Dabei handelt es sich bei uns um seltene Durchzügler, die auch farblich durch ihre ziegelrote Färbung hervorstechen. Weitere spannende Rastvögel waren beispielsweise Purpurreiher und Rohrdommel.
Fazit: Das Bingenheimer Ried ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert, schau doch einmal vorbei!