Der Arbeitskreis Kassel betätigt sich in der Ornithologie und im Naturschutz des Kasseler Raums (Stadt und Landkreis Kassel). Die Arbeitsschwerpunkte erschließen sich aus den vielen schutzwürdigen Arten und Lebensräumen unserer Region: Der Waldnaturschutz durch die wichtigen Waldgebiete Reinhardswald, Söhre und Habichtswald. Die Auen von Fulda, Diemel und Weser sind wichtige Rastgebiete für Wasservögel, die bei der Wasservogelzählung erfasst werden. Die wertvollen Halb-Offenland-Lebensräume, wie Kalk-Magerrasen, sind Lebensraum von Baumpieper, Neuntöter, Bluthänfling & Co.
Die Aktivitäten des Arbeitskreises umfassen insbesondere die ornithologische Arbeit in der Region, einschließlich die Wahrnehmung von Monitoringaufgaben, Artenschutzmaßnahmen für gefährdete (Vogel-)Arten, die Mitwirkung bei der Pflege und Entwicklung von Schutzgebieten in der Region und auch Aspekte der Umweltbildung durch gemeinsame Führungen und Exkursionen. Die Teilnahme an unseren Arbeitskreistreffen im Naturkundemuseum Kassel steht auch für alle Interessierten offen, die sich ebenso immer bei der Arbeitskreisleitung melden können. Die Ergebnisse der Beobachtungen und Tätigkeiten wurden früher in den Vogelkundlichen Mitteilungen für den Kasseler Raum zusammengefasst und veröffentlicht. Heute erscheinen stattdessen jährliche Ornithologische Jahresrückblicke sowie ergänzende Materialien zu unseren Arbeiten.
Projekt: Ein Brutvogelatlas für die Stadt Kassel
Wie viele Vogelarten brüten eigentlich in Kassel? Wo kommen sie vor – und wie entwickeln sich ihre Bestände? Bisher gibt es darauf keine umfassenden und verlässlichen Antworten. Gleichzeitig stehen viele Vogelarten in der Stadt zunehmend unter Druck: Gebäudesanierungen zerstören Nistplätze, Grünflächen gehen verloren, und Bauvorhaben erfolgen teilweise ohne ausreichende ökologische Datengrundlage. Auch Diskussionen über sogenannte „Problemarten“ finden oft ohne gesicherte Fakten statt.
Hier setzt das Projekt des HGON – Arbeitskreises Kassel zur Erstellung eines Brutvogelatlas für das Stadtgebiet Kassel an. Ziel ist es, erstmals eine fundierte und flächendeckende Datengrundlage zu den Brutvögeln der Stadt zu schaffen – zu Artenvielfalt, Verbreitung und Häufigkeit. Diese Informationen sind eine wichtige Basis für Naturschutz, Stadtplanung und politische Entscheidungen. Sie helfen beispielsweise dabei, sensible Arten gezielt zu schützen, die Bedeutung von Grünflächen zu belegen oder Auswirkungen von Bauprojekten und Veranstaltungen besser einzuschätzen. Gleichzeitig soll der Atlas das Bewusstsein für biologische Vielfalt in der Stadt stärken und Impulse für Umweltbildung und Naturschutzinitiativen geben.
Wie wird kartiert?
Das gesamte Stadtgebiet wird von uns systematisch in Rasterflächen von jeweils etwa einem Quadratkilometer unterteilt. In diesen Flächen erfassen in den nächsten Jahren geschulte Kartierer*innen zwischen März und Juli die vorkommenden Brutvögel – durch mehrere Begehungen zu unterschiedlichen Tageszeiten. Dabei werden vor allem Reviervögel sowie konkrete Brutnachweise dokumentiert.
Ergänzt werden diese Daten durch vorhandene Beobachtungen, etwa aus der Vogelbeobachtungsplattform www.ornitho.de, sowie durch weitere vorhandene Fachdaten. Das Projekt ist eng an die bundesweiten Kartierungen von Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) (ADEBAR 2) angebunden, die zwischen 2024 und 2029 stattfinden – ein günstiges Zeitfenster, das die Datenerhebung erheblich erleichtert.
Was soll entstehen?
Zwischen 2025 und 2029 soll ein umfassender Brutvogelatlas für Kassel erarbeitet werden, der diese Inhalte hat:
- detaillierte Verbreitungskarten aller erfassten Vogelarten
- Einschätzungen zur Häufigkeit der Bestände
- thematischen Auswertungen, z. B. zu Gebäudebrütern oder Waldarten
- Analysen zum Zusammenhang zwischen Vogelvielfalt und Stadtstrukturen wie Grünflächen oder Schutzgebieten
Die Veröffentlichung des Stadtvogelatlas ist für das Jahr 2030 geplant.
Mitmachen erwünscht!
Ein Projekt dieser Größenordnung lebt vom Engagement vieler. Deshalb sind neben Fachleuten ausdrücklich auch interessierte Bürger*innen eingeladen, sich zu beteiligen. Besonders gefragt sind Beobachtungen zu gut erkennbaren, aber mittelhäufigen Arten im Stadtgebiet:
- Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) – Beobachtungen von regelmäßig singenden Tieren oder Brutplätzen dieser Art (z. B. in Nistkästen von Schrebergärten),
- Gimpel / „Dompfaff“ (Pyrrhula pyrrhula) – Beobachtungen von regelmäßig singenden Tieren während der Kernbrutzeit (Mitte März bis Mitte Juni) oder Brutplätzen dieser Art,
- Girlitz (Serinus serinus) – Beobachtungen von regelmäßig singenden Männchen (z. B. in Haus- oder Schrebergärten)
- Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes) – Beobachtungen von regelmäßig singenden Tieren während der Kernbrutzeit (Ende März bis Mitte Mai) oder Brutplätzen dieser Art,
- Mehlschwalbe (Delichon urbicum) – Beobachtungen von Brutplätzen (besetzten Nestern) dieser Art an Gebäuden,
- Rauchschwalbe (Hirundo rustica) – Beobachtungen von Brutplätzen (besetzten Nestern) dieser Art an Gebäuden,
- Star (Sturnus vulgaris) – Beobachtungen von Brutplätzen dieser Art (z. B. in Baumhöhlen oder Nistkästen in Gärten)
- Türkentaube (Streptopelia decaocto) – Beobachtungen von regelmäßig singenden Tieren oder Brutplätzen dieser Art (z. B. in Haus- oder Schrebergärten)
- Turmfalke (Falco tinunculus) – regelmäßige Beobachtungen oder Brutplätze dieser Art (z. B. in Gebäudenischen)
Melden Sie uns Beobachtungen dieser sechs Vogelarten im Stadtgebiet von Kassel (am besten mit Fotobeleg oder kurzer Tonaufnahme des Gesangs und dem genauen Ort) an: kassel(at)hgon.de
Wer Freude an Naturbeobachtung hat und einen Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt in Kassel leisten möchte, ist herzlich willkommen mitzumachen!
Veröffentlichungen
Vogelkundliche Berichte und Materialien
Ornithologischer Jahresrückblick 2025 für den Kasseler Raum
Ornithologischer Jahresrückblick 2024 für den Kasseler Raum
Ornithologischer Jahresrückblick 2023 für den Kasseler Raum
Ornithologischer Jahresrückblick 2022 für den Kasseler Raum
Vogelkundliche Mitteilungen aus dem Kasseler Raum:
Heft 1 (1976) bis Heft 3 (1980) und Heft 13 (1994) bis Heft 27 (2015)
Zugang über die Universitätsbibliothek Kassel
Kurze vogelkundliche Mitteilungen aus dem Kasseler Raum:
Heft 4 (1982) bis Heft 12 (1993)
Zugang über die Universitätsbibliothek Kassel